Durch Brand verwüstetes Flüchtlingslager im  Libanon | AFP

Hunderte Syrer obdachlos Flüchtlingslager im Libanon niedergebrannt

Stand: 27.12.2020 20:54 Uhr

Nach einem Streit zwischen Campbewohnern und einer einheimischen Familie ist ein Lager für syrische Flüchtlinge im Libanon in Brand gesetzt worden. Bei dem Großfeuer wurden mehrere Bewohner verletzt.

Ein behelfsmäßiges Flüchtlingslager für etwa 375 Syrer im Norden des Libanon ist komplett niedergebrannt. Vier Personen seien verletzt und alle Zelte in dem Lager in der Ortschaft Al-Minije zerstört worden, sagte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR im Libanon.

Der Streit habe mit einer "persönlichen Auseinandersetzung" zwischen einer Gruppe junger Libanesen und syrischen Arbeitern begonnen, teilte die libanesische Armee mit. Die Libanesen hätten Schüsse in die Luft abgegeben und das Lager, das nahe der syrischen Grenze liegt, dann angezündet. Zwei Libanesen und sechs Syrer seien in Zusammenhang mit dem Vorfall festgenommen worden.

Bewohner suchen sich andere Unterkünfte

Der UNHCR-Sprecher sagte, mehrere Bewohner seien zurückgekehrt, um zwischen den verkohlten Zelten noch nach Brauchbarem zu suchen. Die meisten von ihnen hätten Unterschlupf in anderen inoffiziellen Flüchtlingslagern gefunden. Aber auch Anwohner hätten ihnen Hilfe angeboten, sagte Kabbara.

Durch Brand verwüstetes Flüchtlingslager im  Libanon | AFP

Einige Einwohner suchten nach dem Brand nach Habseligkeiten. Bild: AFP

Der sunnitische Großmufti des Libanon, Scheich Abdul Latif Derian, sprach von einem "abscheulichen Verbrechen" und rief die Behörden dazu auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. "Die syrischen Flüchtlinge im Libanon sind Gäste. Wir müssen sie unterstützen, bis sie in ihr Heimatland zurückkehren können", sagte er der Staatsagentur NNA zufolge.

Angespannte Lage im Libanon

Im Libanon kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen Anwohnern und Syrern, die in Massen aus dem Bürgerkriegsland geflohen sind. Mehr als eine Million Syrer haben Zuflucht im Libanon gesucht, fast ein Viertel der Einwohnerzahl, die der Libanon vor dem Bürgerkrieg in Syrien hatte. Die ohnehin schlechte Infrastruktur im Land wird durch die vielen Syrer zusätzlich enorm belastet.

Auch historisch bedingt gibt es Differenzen zwischen den beiden Nachbarstaaten. Drei Jahrzehnte lang dominierte Syrien den kleineren Libanon und hatte Tausende Soldaten dort stationiert. Diese zogen 2005 nach der Ermordung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri ab, die anti-syrische Proteste auslöste.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Dezember 2020 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.