Palästinensische Pfadfinder spielen Dudelsack in der Weihnachtsprozession in Bethlehem | AP

Weihnachten in Bethlehem "Es ist traurig, die Stadt so zu sehen"

Stand: 24.12.2021 16:36 Uhr

Mit der traditionellen Prozession durch die Altstadt haben in Bethlehem die Weihnachtsfeiern begonnen. Die Einwohner der Stadt hatten große Hoffnungen für dieses Jahr - doch erneut sorgt Corona für Enttäuschung.

Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Die Dudelsäcke bringen einen Hauch von Normalität in Bethlehems Altstadtgassen. Als am Vormittag die ersten christlichen palästinensischen Pfadfindergruppen mit ihren Spielmannzügen durch die Stadt ziehen, wirkt das wie immer - so wie sie den Beginn der Weihnachtsfeierlichkeiten hier kennen.

Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Im vergangenen Jahr fand die traditionelle Prozession unter strikten Corona-Auflagen statt. Nun sei es wieder schöner, erzählt eine junge Pfadfinderin: "Dieses Jahr ist es besser, als es letztes Jahr wegen Corona war. Nun können mehr Zuschauer kommen, und auch mehr Pfadfinder - aus Jerusalem, aus Ramallah - können hier feiern. Die Leute aus dem Ausland fehlen. Wir vermissen sie. Es nicht so wie noch vor vier, fünf Jahren."

Vor allem Christen aus der Region sind gekommen

Während die Pfadfindergruppen in ihren bunten Uniformen durch die Altstadt ziehen und dabei Weihnachtsklassiker wie "Gloria in Excelsis Deo", aber auch nicht-weihnachtliches wie das Partisanenlied "Bella Ciao" spielen, stehen sehr viel weniger Zuschauer am Straßenrand als vor Corona. Es sind vor allem Christen aus der Region, aus den Gemeinden in Israel oder den palästinensischen Autonomiegebieten gekommen.

"Es ist so traurig", klagt eine Frau aus Nablus im Westjordanland. "Es war immer voll, Menschen aus ganz Palästina waren da. Wir trafen viele Leute. Jetzt ist es leer. Auch Touristen sind nicht da. Früher waren hier viele Busse mit Touristen und auch viele Fremdenführer. Davon ist jetzt nichts mehr zu sehen."

Nur wenig Schub für die Wirtschaft vor Ort

Die traditionelle Prozession, in der Pierbattista Pizzaballa, der Lateinische Patriarch von Jerusalem, in Bethlehem einzieht, ist einer der Höhepunkte der Weihnachtsfeierlichkeiten in der Geburtsstadt Jesu. Am Abend wird das Oberhaupt der katholischen Kirche im Heiligen Land die Mitternachtsmesse im katholischen Teil der Geburtskirche leiten. Ausländische Pilger werden auch dann nicht dabei sein. Sie konnten nicht einreisen, weil Israel die Grenzen für Ausländer aus Sorge vor der Omikron-Variante geschlossen hat.

Die Einwohner von Bethlehem, das so abhängig vom Geschäft mit den Pilgergruppen ist, trifft das hart. Sie hatten große Hoffnungen in dieses Weihnachtsgeschäft gesetzt. Nun ist die Enttäuschung überall zu spüren. Dass Christen aus der Region da sind und für wenigstens ein wenig Weihnachtsgeschäft sorgen, verbessert die schlechte wirtschaftliche Situation nur geringfügig.

Pierbattista Pizzaballa, der Lateinische Patriarch von Jerusalem, begrüßt bei seinem Einzug in Bethlehem Pilger am Straßenrand. | REUTERS

Der ranghöchste katholische Geistliche im Heiligen Land, der Patriarch Pierbattista Pizzaballa, kam für die Mitternachtsmesse in der Geburtskirche aus Jerusalem. Bild: REUTERS

Hotels öffnen nur für die Feiertage

"Ich kenne Bethlehem seit vielen Jahren und es ist traurig, die Stadt so zu sehen", sagt ein Besucher aus Nazareth. "Ich hatte gehofft, dass Tausende oder noch mehr kommen würden. Wir wollen unsere Sympathie für Bethlehem zeigen. Sie gehören zu uns. Das hat nichts damit zu tun, ob man Christ ist. Wir wollen diese Stadt und diese Gemeinschaft unterstützen."

Für die Gäste aus der Region haben viele Hotels in Bethlehem nach 18 Monaten Schließung nun wieder geöffnet. Nach den Feiertagen und dem Jahreswechsel werden sie erneut schließen und ihre Hoffnungen auf Weihnachten 2022 setzen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Dezember 2021 um 16:05 Uhr.