Karte: Aserbaidschan, Bergkarabach, Armenien

Südkaukasus Neue Kämpfe in Bergkarabach

Stand: 03.08.2022 22:11 Uhr

Seit 2020 gilt in der Südkaukasusregion Bergkarabach eine Waffenruhe. Nun wurde die sowieso schon brüchige Vereinbarung gebrochen. Die Konfliktparteien Armenien und Aserbaidschan meldeten übereinstimmend neue Auseinandersetzungen.

In der Südkaukasusregion Bergkarabach hat es offenbar neue Auseinandersetzungen zwischen den Konfliktparteien Armenien und Aserbaidschan gegeben. Sowohl aserbaidschanische als auch armenische Behörden bestätigten die Auseinandersetzungen.

Aus dem Verteidigungsministerium in Aserbaidschan hieß es, armenische Kämpfer hätten versucht, einen Hügel in der Region zu besetzen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Landeseigene Einsatzkräfte hätten diesen Angriff zurückgeschlagen. Dabei seien mehrere Armenier und ein Soldat aus Aserbaidschan getötet worden. Die Nachrichtenagentur dpa meldete unter Berufung auf aserbaidschanische Angaben, der getötete Soldat sei durch Beschuss von dem Gebiet umgekommen, dass seit dem Kriegsende im November 2020 von russischen Friedenstruppen kontrolliert wird.

Gegenseitiger Vorwurf des Bruchs der Waffenruhe

Laut Reuters teilte auch das armenische Außenministerium mit, es habe einen Angriff in Bergkarabach gegeben. Dieser sei allerdings von aserbaidschanischen Kräften ausgegangen. Dabei seien armenische Soldaten Ziel von Drohenbeschuss geworden. Beide Seiten beschuldigen sich damit, die nach Kriegsende seit 2020 geltende Waffenruhe gebrochen zu haben. Nach armenischen Angaben seien mindestens ein Mitglied der eigenen Armee getötet sowie acht weitere Menschen verletzt worden.

Auch Russland sieht die Verantwortung für die neuen Auseinandersetzungen aufseiten Aserbaidschans, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete. In dem Konflikt um Bergkarabach wird Armenien von Russland unterstützt, Aserbaidschan wiederum von der Türkei.

Ein Konflikt seit Jahrzehnten

Der Konflikt um die Region entbrannte nach dem Ende der Sowjetunion 1991, in der Bergkarabach den Status einer autonomen Region der UdSSR innehatte. Mit der Unabhängigkeitserklärung Armeniens und Aserbaidschans beanspruchten beide Staaten das etwa 12.000 Quadratkilometer große Gebiet für sich. Völkerrechtlich gehört das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Gebiet zu Aserbaidschan.

1992 brach Krieg um das Gebiet aus, in dem in den folgenden zwei Jahren etwa 30.000 Menschen getötet und Hunderttausende Menschen vertrieben wurden. Der Krieg endete 1994 - vorläufig mit einem Sieg Armeniens. 2020 eroberte Aserbaidschan weite Gebiete der Region zurück. Bei den rund sechs Wochen andauernden Kämpfen starben mindestens 6500 Menschen. Die schweren Kämpfe endeten mit der Unterzeichnung einer Waffenruhe im November 2020, die seit ihrer Unterzeichnung jedoch bereits wiederholt gebrochen wurde.