Hafen von Beirut nach einer gewaltigen chemischen Explosion, die große Teile der libanesischen Hauptstadt verwüstete. | AFP

Explosionskatastrophe in Beirut Britisches Chemieunternehmen muss haften

Stand: 23.02.2023 20:12 Uhr

Zweieinhalb Jahre nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut hat ein Londoner Gericht das britische Unternehmen Savaro Ltd. dafür mitverantwortlich gemacht. Die Angehörigen der Opfer hoffen jetzt auf eine Entschädigung.

Erstmals nach der Explosionskatastrophe im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut vor zweieinhalb Jahren hat ein Gericht ein Urteil in dem Fall erlassen und Schuldige benannt. Der High Court in London entschied, dass ein Chemiekonzern Haftung für die Opfer übernehmen muss, wie Libanons Anwaltskammer mitteilte.

Die Richter sahen es demnach als erwiesen an, dass das Unternehmen Savaro Ltd. mit Sitz in Großbritannien große Mengen an Ammoniumnitrat in das Mittelmeerland geliefert hatte. Die hochexplosiven Chemikalie, die über Jahre ohne Schutzmaßnahmen im Hafen von Beirut gelagert wurde, soll die Explosion verursacht haben.

Für die Angehörigen der Opfer ist es der erste juristische Erfolg in der Angelegenheit. Denn im Libanon selbst kommen die Ermittlungen kaum voran. Beschuldigte Ex-Minister und Verantwortliche aus der Justiz verzögern den Aufklärungsprozess seit Langem. Viele Libanesen geben der politischen Führung die Schuld an der Katastrophe, der sie unter anderem Korruption und Vertuschung vorwerfen.

Mehr als 190 Menschen starben bei der Explosion

Die libanesische Anwaltskammer hatte die Zivilklage in London im Namen mehrerer Angehöriger angestrebt. Die Kläger hoffen, dass das Urteil Anstoß für weitere Prozesse geben wird. Im weiteren Verlauf des Verfahrens wollen die Londoner Richter nach Angaben der Anwaltskammer nun eine Entschädigungssumme für die Opfer festlegen.

Um einer Strafe zu entgehen, hatten Verantwortliche des Unternehmens Berichten zufolge erfolglos versucht, Savaro Ltd. aufzulösen. Der Konzern äußerte sich zunächst nicht zu dem Gerichtsbeschluss.

Bei der Explosion in Beirut im August 2020 waren mehr als 190 Menschen gestorben, rund 6000 waren verletzt worden. Die Detonation hatte auch große Teile des Hafens sowie der umliegenden Wohngebiete zerstört.

Über dieses Thema berichtete das Erste im Weltspiegel am 04. August 2021.