Menschen in Bangladesh kommen von einer Fähre aufs Festland, um wieder an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. | AFP

Trotz steigender Infektionszahlen Bangladeschs Textilarbeiter kehren zurück

Stand: 31.07.2021 15:53 Uhr

Die Regierung von Bangladesch hat für Sonntag die Wiedereröffnung der Textilfabriken angekündigt - trotz rapide steigender Corona-Infektionszahlen. Hunderttausende Menschen sind deshalb auf dem Weg in die Metropolen.

In Bangladesch steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus rapide an - und dennoch hat die Regierung des Landes die Wiedereröffnung der 4500 Textilfabriken beschlossen, die den europäischen und nordamerikanischen Markt mit Kleidung beliefern. Am Sonntag soll es soweit sein. Deshalb kehrten bereits heute Hunderttausende Beschäftigte in die Metropolen des Landes zurück. An Bahnhöfen, Fährhäfen und Busstationen des südasiatischen Landes herrschte großes Gedränge.

Wegen der Corona-Pandemie hatten die Behörden des Landes in diesem Monat eine Schließung von Fabriken, Büros und Geschäften angeordnet, die bis zum 5. August andauern soll. Vorzeitig öffnen dürfen nach einer Erklärung der Regierung nun aber die Bekleidungsfabriken, die namhafte westliche Modemarken beliefern. Die in Bangladesch äußerst einflussreiche Textilindustrie hatte vor "katastrophalen" Konsequenzen gewarnt, sollten die Aufträge der internationalen Mode-Labels nicht fristgerecht ausgeführt werden.

Stark eingeschränkter Nah- und Fernverkehr

Die Textilbranche hat in Bangladesch mehr als vier Millionen Beschäftigte. Das südasiatische Land ist nach China die zweitgrößte Exportnation für Bekleidung. Allein am 70 Kilometer von Dhaka entfernten Fährhafen Shimulia warteten Zehntausende Arbeiter auf ihren Transport in die Hauptstadt.

Der 25-jährige Mohammad Masum sagte, er habe sein Dorf vor Anbruch der Morgendämmerung verlassen. Die mehr als 30 Kilometer zum Fährhafen habe er zu Fuß und mit Rikschas zurückgelegt. "Die Polizei hat uns an vielen Kontrollpunkten angehalten", sagte er.

Im Zuge des Lockdowns wurde auch der öffentliche Nah- und Fernverkehr in Bangladesch stark eingeschränkt. Offiziell wurden in dem Land mit seinen 169 Millionen Einwohnern rund 1,2 Millionen Corona-Infektionen und mehr als 20.000 Todesfälle durch Covid-19 registriert. Experten gehen aber davon aus, dass die tatsächlichen Infektions- und Todesfälle mindestens vier Mal so hoch liegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. April 2021 um 05:24 Uhr.