Irakische Sicherheitskräfte auf einem Marktplatz in Baghdad nach einem Terroranschlag des IS. | AHMED JALIL/EPA-EFE/Shutterstock

Terror im Irak IS reklamiert Anschlag in Bagdad für sich

Stand: 22.01.2021 08:44 Uhr

Nach dem schwersten Anschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad seit drei Jahren hat die Terrormiliz "Islamischer Staat" die Verantwortung übernommen. Bei der Attacke wurden mehr als 30 Menschen getötet.

Die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" hat sich über den Messangerdienst "Telegram" zu dem gestrigen Doppel-Anschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad verantwortlich erklärt. Zwei Selbstmordattentäter hatten mindestens 32 Menschen getötet und mehr als 110 Menschen verletzt.

Die beiden Attentäter hätten sich während einer Verfolgungsjagd mit Sicherheitskräften auf einem Marktplatz in die Luft gesprengt, sagte Armeesprecher Jahia Rasul. Ein Augenzeuge berichtete einem irakischen TV-Sender, die Detonationen hätten sich im Abstand von rund zehn Minuten ereignet. Der erste Attentäter habe vorgegeben, krank zu sein und um Hilfe gerufen. Als dann Menschen um ihn herumstanden, habe er die Bombe gezündet.

Attentat international verurteilt

Vertreterinnen und Vertreter der Vereinten Nationen, der NATO und der EU verurteilten den Anschlag. Der Angriff sei ein "verwerflicher Akt der Feigheit", teilte die US-Botschaft in Bagdad mit. Auch Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte das Attentat und sagte der irakischen Führung die Unterstützung Deutschlands zu. Iraks Präsident Barham Salih erklärte, der Angriff richte sich gegen die "großen nationalen Verdienste".

Folgenschwerster Anschlag seit drei Jahren

Es war der folgenschwerste Terroranschlag in Bagdad seit rund drei Jahren. Der Sicherheitslage hatte sich in den vergangenen Jahren etwas gebessert, war aber nie gut. Der Irak leidet noch immer unter den Folgen des Kampfes gegen den "Islamischen Staat", der zwischen 2014 und 2017 große Gebiete im Norden und Westen des Landes beherrscht hatte.

Die irakischen Sicherheitskräfte eroberten die Gebiete mit internationaler Unterstützung - insbesondere der USA - zwar zurück. Zellen der Terroristen sind aber weiterhin aktiv und verüben regelmäßig Anschläge.

Politische Instabilität

In Bagdad gab es in den vergangenen Monaten zudem immer wieder Raketenangriffe, die sich vor allem gegen US-Einrichtungen richteten. Meist steckten dahinter örtliche Milizen, von denen manche vom Nachbarland Iran unterstützt werden. Sie wollen so den Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Land erreichen.

Darüber hinaus steckt der Irak in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Corona-Pandemie verschärft die Lage weiter.

 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Januar 2021 um 14:22 Uhr und die tagesschau am 22. Januar 2021 um 04:56 Uhr.