Annalena Baerbock | dpa

UN-Klimakonferenz Baerbock rechnet mit Verlängerung

Stand: 16.11.2022 17:41 Uhr

Die Verhandlungen bei der Klimakonferenz verlaufen offenbar zäh. Man sei noch nicht da, wo man hin wolle, sagte Außenministerin Baerbock. Sie glaubt nicht, dass das Treffen planmäßig am Freitag endet.

Außenministerin Annalena Baerbock rechnet nicht damit, dass die UN-Klimakonferenz in Sharm El-Sheikh planmäßig am Freitag endet. Es sei unter anderem ein konkreter Arbeitsplan notwendig, wie in den kommenden zehn Jahren Treibhausgasemissionen reduziert werden sollen. "Leider sind wir noch nicht da, wo wir am Ende hinkommen wollen", sagte Baerbock, die die deutsche Delegation in der Schlussphase leitet. Ihr Ziel bei der Konferenz sei, "dass wir nicht nur über abstrakte Minderungsziele in Texten, in Überschriften sprechen."

UN-Klimakonferenzen werden oft ins Wochenende verlängert - und auch diesmal gestalten sich die Verhandlungen offenbar schwierig. Laut Beobachtern sollen insbesondere Länder wie China und Saudi-Arabien besonders schwierige Verhandlungspartner sein. Zu einer substanziellen Vereinbarung sei es noch ein weiter Weg, sagte Baerbock.

Abschied von Kohle und Co wohl nicht in Abschlusserklärung

Aus ihrer Sicht müsse die Klimakonferenz ein klares Signal setzen, dass sich die Welt von Kohle, Gas und Öl verabschiede. Es lohne sich, auf dem Treffen von etwa 200 Staaten "um jedes Zehntel Grad weniger Erderwärmung zu kämpfen", sagte die Grünen-Politikerin. "Es geht um die Freiheit zukünftiger Generationen."

Klimaaktivisten fordern, dass der Ausstieg aus den fossilen Energien klipp und klar ins Abschlussdokument der COP27 geschrieben wird. Nach einem ersten Entwurf, den die ägyptische Konferenzleitung vorgelegt hatte, ist dies aber nicht vorgesehen. "Diese COP muss die COP sein, bei der die Ära der fossilen Brennstoffe zu Ende geht", hatte Klimaaktivistin Luisa Neubauer gefordert.

Arme Länder fordern Hilfen

Ein anderer Streitpunkt sind Forderungen armer Staaten in Afrika, Asien und Lateinamerika nach Schadensersatz. Sie wollen, dass die Industriestaaten über einen extra Geldtopf ihre Verluste ausgleichen - etwa nach Dürren, Überschwemmungen oder Stürmen, die sich wegen der Erderhitzung häufen.

Vor ihrem Abflug nach Ägypten hatte Baerbock dazu gesagt: "Zurecht fordern besonders betroffene Länder, die selbst nichts können für den CO2-Ausstoß von Industrienationen wie Deutschland, eine Absicherung gegen die Schäden und Verluste durch den Klimawandel."

Nach ihrer Ankunft in Sharm El-Sheikh dämpfte sie aber die Erwartungen auf eine sogenannte Finanzierungsfazilität: "Ich weiß nicht, ob sie kommen wird, ich weiß auch gar nicht, ob das jetzt der richtige Moment ist." Baerbock betonte, es sei wichtig, "das Thema anzufassen" und dass die Industriestaaten sagen: "Ja, wir wollen darüber reden."

G20-Gipfel: Mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz

Rückenwind kam von einem anderen Gipfeltreffen: Die Staats- und Regierungschef der G20-Staaten, die sich auf der indonesischen Insel Bali trafen, gaben ihren Ministern bei der COP27 mit auf den Weg, ihren Ehrgeiz in den Bereichen Klimaschutz, Anpassung, Finanzierung und auch Verluste und Schäden dringend zu erhöhen. Sie bekräftigten auch, dass die bei der UN eingereichten Klimaschutzpläne für die Jahre bis 2030 nachgeschärft werden müssten.

Mit Informationen von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. November 2022 um 17:55 Uhr.