Afghanische Frauen halten Plakate und fordern die Taliban auf, ihre Rechte zu schützen, Kabul am 03. September 2021. | EPA

Demonstration in Kabul Frauenprotest aus Angst vor Unterdrückung

Stand: 04.09.2021 14:54 Uhr

Afghanische Frauen befürchten durch die Machtübernahme der Taliban Repressalien - dagegen regt sich nun Widerstand. In Kabul gab es erneut Proteste. Dabei soll lokalen Journalisten zufolge eine Frau verletzt worden sein.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben den zweiten Tag infolge Frauen gegen die Herrschaft der radikal-islamischen Taliban und für Frauenrechte protestiert. Dabei kam es zu Zusammenstößen. Mindestens eine Frau sei verletzt worden, berichteten Journalisten vor Ort.

Videos von lokalen TV-Sendern und Aktivistinnen zufolge kam es bei der Demonstration zu chaotischen Szenen. Rund zwei Dutzend Frauen hätten zunächst friedlich in der Nähe des Präsidentenpalastes demonstriert, wie auf Bildern, die in sozialen Medien geteilt wurden, zu sehen war. Sie hielten Schilder in der Hand, auf denen etwa stand: "Wir sind nicht die Frauen von vor 20 Jahren" oder "Gleichheit - Gerechtigkeit - Demokratie!".

Schreiduelle mit Sicherheitskräften

Auf Videos ist zu sehen, wie die Frauen von 50 oder mehr Sicherheitskräften der Taliban umzingelt sind und sich Schreiduelle mit ihnen liefern. Ein Taliban-Kommandeur fragt über einen Lautsprecher "Wartet, was ist das Problem, was wollt Ihr, es gibt kein Problem Mädchen, okay?", während im Hintergrund eine junge Frauenstimme zu hören ist, die fragt: "Warum schlagt Ihr uns?" Lokale Journalisten teilten das Video einer Frau, der Blut vom Kopf läuft.

In einem Video von Aktivistinnen, etwas abseits der Demo aufgenommen, sagt eine Frau, Frauen hätten sich gebildet, um in hochrangigen Regierungspositionen zu arbeiten. "Was ist unsere Schuld, dass sie uns heute ins Abseits drängen?", fragt sie. Die Frau, die das Video aufnimmt, sagt weiter, der friedliche Protest von Frauen sei wieder von den Taliban unterdrückt worden. Diese hätten Warnschüsse abgegeben und Tränengas eingesetzt.

"Die Taliban wollen Frauen nur in niedrigen Positionen"

Die Videos und Angaben konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden. Auch der Sender CNN berichete über den Frauenprotest. Zuvor hatten bereits am Freitag mehrere Frauen in Kabul für Frauenrechte demonstriert. Eine Teilnehmerin, Taranum Sajidi, sagte der Nachrichtenagentur dpa, sie seien angesichts der Situation gezwungen, auf die Straße zu gehen und ihre Rechte einzufordern. Sie habe drei Universitätsabschlüsse und nun wolle man von ihr, dass sie zuhause bleibe. Die Taliban wollten Frauen nur in niedrigen Positionen.

Während des Taliban-Regimes zwischen 1996 und 2001 durften Frauen in Afghanistan nicht mehr arbeiten und nur noch verschleiert in Begleitung eines männlichen Familienmitglieds das Haus verlassen. In der Öffentlichkeit war für sie lautes Sprechen oder Lachen verboten. Mädchen wurden auch vom Schulunterricht ausgeschlossen. Viele Frauen befürchten seit der erneuten Machtübernahme der Islamisten, dass diese wieder ähnliche Regeln für sie einführen werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. September 2021 um 13:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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Eduart de Machina 05.09.2021 • 00:04 Uhr

20:07 von Anna-Elisabeth

"... solange wird es immer Menschen geben, die in irgendeiner Religion nach dem Sinn des Lebens bzw. nach Halt suchen." Ja, Menschen suchen nach dem Sinn des Lebens. Suchen sie denn deshalb in einer Religion? Ich bin der Auffassung, dass die Religionen den Menschen aufsuchen, weil sie es sind, die ihn auf ihn angewiesen sind.