Treffen von Vertretern der Asean-Staaten auf einem Sondergipfel zu Myanmar. | EPA

Asean-Gipfel zu Myanmar Mit der Junta am Verhandlungstisch

Stand: 24.04.2021 12:01 Uhr

Auf einem Sondergipfel wollen die südostasiatischen Staaten über die Situation in Myanmar beraten. Zum Asean-Gipfel eingeladen ist auch der Chef der Militärjunta - aber niemand von der Nationalen Einheitsregierung.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Sie ist geflohen, barfuß, und hat sich versteckt, als sie die Soldaten holen wollten. Naw Susanna Hla Hla Soe, gewählte Abgeordnete in Myanmar, Kämpferin für Rechte von Frauen und ethnischen Minderheiten, erzählt von ihrem Leben seit dem Putsch am 1. Februar. "Am nächsten Tag warteten sie immer noch in meinem Haus. Also floh ich in ein Dorf der ethnischen Minderheiten in meiner Region", erzählt sie.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Doch nach zwei Wochen seien die Luftschläge gekommen, das Militär habe die Dörfer der ethnischen Minderheiten bombardiert. "Also rannten wir in den Dschungel, die Dorfbewohner und ich. 500, 600 Menschen", sagt Naw Susanna Hla Hla Soe. "Wir versteckten uns: ohne Wasser, ohne Nahrung, ohne Schutz, ohne sanitäre Einrichtungen. Und diese Menschen zu sehen, Alte, Kinder, wie sie um ihr Leben rennen: Es ist herzzerreißend."

Von einem sicheren Ort aus schaltet sich Naw Susanna Hla Hla Soe in eine Online-Pressekonferenz vor dem Asean-Gipfel in Jakarta. Fast drei Monate nach dem Militärputsch hat die südostasiatische Staatenvereinigung zu diesem Treffen eingeladen.

"Beende das Blutvergießen"

Es gibt einen ersten gemeinsamen Versuch, zu einer Lösung der Krise zu kommen. "Auf der Seite Aseans haben wir alle Beteiligten aufgefordert, eine friedliche Lösung zu finden, einen konstruktiven Dialog, Versöhnung und die Rückkehr zur Normalität zu verfolgen, im Interesse der Menschen in Myanmar", sagt der Außenminister von Brunei, das zurzeit den Asean-Vorsitz hat. "Asean ist bereit, Myanmar zu helfen."

Die Regierungschefs von Indonesien, Brunei, Kambodscha, Vietnam, Malaysia und Singapur nehmen teil; die Philippinen und Thailand schicken ihre Außenminister. Aus Myanmar ist General Min Aung Hlaing dabei - sehr zur Empörung vieler Menschenrechtlerinnen und Menschenrechtler.

So wie Charles Santiago, Vorsitzender der Gruppe "Asean Parlamentarier für Menschenrechte". Er sagt, die Charta Aseans setze auf Rechtsstaatlichkeit und Demokratie: "Und wenn dann der Schlachter von Asean, wie Min Aung Hlaing inzwischen bekannt ist, mit den Regierungschefs der südostasiatischen Länder die Zukunft Myanmars diskutiert: Das sieht nicht nach unseren Grundsätzen aus." Beende das Blutvergießen - das sei die einzige Botschaft, die Min Aung Hlaing hören müsse.

Treffen ohne Einheitsregierung

Nicht eingeladen ist die NUG, die Regierung der Nationalen Einheit. Sie setzt sich aus gewählten Parlamentariern, Vertreterinnen ethnischer Minderheit und der Zivilgesellschaft zusammensetzt. Zu ihr wird auch Aung San Suu Kyi gezählt, die Friedensnobelpreisträgerin und frühere de-facto-Regierungschefin. Sie wird inzwischen vom Militär festgehalten.

Die NUG hat sich kürzlich formiert und bringt viele Parlamentarier, die bei den Wahlen im vergangenen November gewählt wurden, auch mit der Bewegung des zivilen Ungehorsams zusammen. Es ist eine starke, vereinte Front.

Guterres: Situation darf nicht schlimmer werden

Eines der gängigen Argumente dafür, das Militär in die Zukunft Myanmars einzubinden, lautet: Das Land sei nicht stabil, mit all seinen bewaffneten ethnischen Minderheiten. Dem jedoch widerspricht Naw Susanna Hla Hla Soe heftig. Sie ist Ministerin in der Regierung der Nationalen Einheit und sagt: "Die Menschen Myanmars halten das Land zusammen. Wir sind in der Lage, eine starke Nation zu errichten, ein guter Nachbar zu sein und Stabilität in der Region Aseans zu garantieren, mit der Macht des Volkes."

Die Aufgabe des Staatengemeinschaft müsse es sein, ihren Einfluss zu nutzen, um zu verhindern, dass die Situation noch schlimmer werde, sagt UN-Generalsekretär Antonio Guterres. "Die Zusammenarbeit der Vereinten Nationen mit Asean ist unbedingt notwendig dafür", so Guterres.

Kein "zweites Syrien"

Denn etwa 750 Menschen sind durch Militär und Polizei getötet worden, Tausende sind geflohen. An den Grenzen des Landes und in den Regionen der ethnischen Minderheiten sehe es aus wie in Kriegsgebieten, beschreibt eine Beobachterin. Drohende Hungersnöte, fortgesetztes Blutvergießen - drei Monate nach dem Putsch in Myanmar ist der Handlungsbedarf groß.

Ebenso sind es die Erwartungen an das Treffen. Auch Asean ist um die Stabilität in der Region besorgt. Niemand wolle ein zweites Syrien in Südostasien, sagen Politiker.