Arbeiter in Katar | AFP

Demo wegen nicht gezahlter Löhne Katar nimmt Dutzende Arbeiter fest

Stand: 22.08.2022 11:11 Uhr

Wenige Monate vor Beginn der Fußball-WM sind in Katar mehr als 60 Gastarbeiter festgenommen worden. Sie hatten demonstriert, weil sie monatelang keinen Lohn erhielten. Einige der Festgenommen wurden offenbar des Landes verwiesen.

Drei Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft hat Gastgeber Katar mindestens 60 ausländische Arbeiter festgenommen, die gegen ausbleibende Lohnzahlungen protestierten. Ein Teil der Festgenommenen sei ausgewiesen worden, teilte das Beratungsunternehmen Equidem Research mit.

Die Festnahmen ließen Zweifel an Katars Zusicherung aufkommen, den Umgang mit den vielen ausländischen Arbeitern im Land zu verbessern, sagte Geschäftsführer Musutafa Kadri.

Die Regierung des arabischen Landes teilte laut Nachrichtenagentur AP mit, eine Reihe von Demonstranten sei wegen Verstößen gegen die Gesetze zur öffentlichen Sicherheit festgenommen worden. Weitere Informationen zu den Festnahmen oder möglichen Ausweisungen wurden nicht veröffentlicht.

Demo vor Büros des Arbeitgebers

Videoaufnahmen, die im Internet veröffentlicht wurden, zeigten etwa 60 Teilnehmer der Protestaktion am 14. August vor den Büros der Al Bandary International Group in Doha, einem Konglomerat, zu dem Bauunternehmen, Immobilien, Hotels, Gastronomie und andere Unternehmen gehören. Einige der Demonstranten hatten laut Equidem seit sieben Monaten keinen Lohn mehr bekommen.

Die katarische Regierung teilte mit, das Unternehmen habe tatsächlich Löhne nicht gezahlt. Das Arbeitsministerium werde nun einspringen und alle ausgefallenen Zahlungen leisten.

Das Emirat am Persischen Golf ist immer wieder wegen der Ausbeutung von Migranten in den Schlagzeilen. Fast 90 Prozent der 2,5 Millionen Einwohner Katars sind Ausländer, die großteils aus ärmeren Ländern wie Bangladesch, Nepal oder Indien stammen. Knapp die Hälfte von ihnen arbeitet auf Baustellen, viele davon stehen in Verbindung mit der Fußball-WM.

Tausende tote Gastarbeiter

Im vergangenen Jahr berichtete die britische Zeitung "The Guardian" von 6500 toten Gastarbeitern, seitdem das Emirat im Jahr 2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußball-WM erhalten hatte.

Katar hatte 2020 ein Reformprogramm gestartet, um die Arbeitsbedingungen für Migranten zu verbessern. So wurde etwa das so genannte Kafala-Beschäftigungssystem abgeschafft, das Arbeitgeber unter anderem darüber entscheiden ließ, ob Arbeiter das Land verlassen durften.

Das Land führte auch einen monatlichen Mindestlohn von 1000 Riyal (275 Euro) ein. Kritiker bemängeln aber, dass Zusagen nur teilweise umgesetzt worden seien. Besonders im Streit um ausstehende Lohnzahlungen benötigten ausländische Arbeiter mehr Unterstützung.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 22. August 2022 um 13:08 Uhr.