Kirche nach Anschlag in Indonesien | dpa

Indonesien am Palmsonntag Viele Verletzte bei Anschlag vor Kirche

Stand: 28.03.2021 16:18 Uhr

Der Angriff kam zu Beginn der wichtigsten Woche des Kirchenjahres: Zwei Angreifer auf Motorrädern haben in Makassar versucht, in eine Kathedrale einzudringen. Als das nicht gelang, zündete einer draußen seinen Sprengsatz.

Zwei Attentäter haben vor einer Kirche in Indonesien mindestens 20 Menschen verletzt. Der Mann und die Frau hatten versucht, auf ihren Motorrädern in die gut gefüllte katholische Kathedrale der Stadt Makassar in der Provinz Südsulawesi vorzudringen, teilte die Polizei mit. Das gelang ihnen aber nicht.

Ein Attentäter habe seinen Sprengsatz dann vor dem Gebäude gezündet. Nach Angaben des Polizeichefs waren die beiden Angreifer sofort tot. Bei den Verletzten handelte es sich um vier Wachleute und mehrere Kirchgänger. Ein Priester berichtete, die ersten Gläubigen seien nach der Messe gerade aus der Kirche gekommen, als der laute Knall die Gemeinde aufgeschreckt habe.

Die Polizei vermutet, dass die Attentäter einer islamistischen Gruppe angehörten, die der Terrororganisation "Islamischer Staat" nahe steht. Diese Gruppe habe bereits 2018 mehrere Anschläge auf Kirchen verübt.

Nach Anschlag in Makassar, Indonesien | AFP

Polizisten eines Bombeneinsatzkommandos sammeln nach der Explosion vor der katholischen Kirche in Makassar Beweise. Bild: AFP

Regierung will Behandlung der Verletzten übernehmen

Präsident Joko Widodo verurteilte das Attentat und sagte in einer Fernsehansprache, er bete für die Verletzen. Die Regierung werde für ihre Behandlung aufkommen. Keine Religion akzeptiere solche Anschläge. Terror sei nicht religiös, sondern "Terrorismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", erklärte der Staatschef. Der Staat garantiere, dass die Gläubigen ohne Angst Gottesdienst feiern könnten.

Papst Franziskus rief zu Gebeten für die Opfer auf. Die indonesische Polizei untersucht nach eigenen Angaben, ob die Personen auf dem Motorrad auf eigene Faust gehandelt haben oder eine Verbindung zur islamistischen Terrororganisation Jemaah Islamiyah bestehe. Deren Anführer Aris S. war im Dezember festgenommen worden. Er gilt als Drahtzieher einer ganzen Reihe tödlicher Anschläge. Seit seiner Festnahme besteht erhöhter Terroralarm.

Polizei hatte Hinweise auf mögliche Anschläge

Im Februar hatte die Polizei nach eigenen Angaben einen Hinweis auf mögliche Anschläge auf Gotteshäuser erhalten und in Makassar 19 Verdächtige festgenommen. In Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt, verübten Extremisten in den vergangenen Jahren immer wieder Anschläge auf Kirchen. 2018 wurden etwa ein Dutzend Menschen bei einem Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Surabaya getötet. 

Bei dem bisher tödlichsten Anschlag im Oktober 2002 kamen auf der Insel Bali 202 Menschen bei einer Explosion vor einer Diskothek im Touristenort Kuta zu Tode, mehr als 300 wurden verletzt. Die meisten davon waren ausländische Touristen. In jüngster Zeit haben Terrorgruppen verstärkt kleinere Anschläge verübt und dabei statt Ausländer vor allem Regierungsbeamte, Polizisten, Anti-Terror-Einheiten und Menschen ins Visier genommen, die sie für Ungläubige halten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. März 2021 um 16:00 Uhr.