Ein ausgebranntes Polizeifahrzeug auf einer Straße in Jalalabad | EPA

Afghanistan Zahlreiche Tote bei Anschlägen

Stand: 24.04.2021 17:11 Uhr

Kurz vor Beginn des NATO-Truppenabzugs häufen sich in Afghanistan Anschläge und Attentate. Die Taliban sagten nun auch geplante Friedensgespräche ab. Das schürt die Angst vor einem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs.

Bei Anschlägen und Attentaten sind in Afghanistan mehr als 20 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Die Angriffe richteten sich hauptsächlich gegen Staats- und Medienvertreter sowie gegen Intellektuelle.

Nach Angaben der Polizei erschossen Unbekannte in der Hauptstadt Kabul bei drei Vorfällen einen Universitätsdozenten, einen Regierungsbeamten und vier Polizisten. In Dschalalabad starben zwei Polizisten bei einer Explosion, ein Zivilist wurde verletzt. Zudem wurden in der ostafghanischen Provinzhauptstadt Ghasni mindestens vier Zivilisten durch eine Bombe getötet und zwei weitere verletzt, teilte ein Sprecher des Gouverneurs mit.

Hinter dem Anschlag wurden die Taliban vermutet. Es bekannte sich jedoch niemand dazu. Die Taliban, die Afghanistan von 1996 bis 2001 regiert hatten, bekämpfen die prowestliche Regierung in Kabul und die ausländischen Truppen im Land.

Geänderter Zeitplan für US-Truppenabzug

Seit der Ankündigung der USA, ihren Truppenabzug aus Afghanistan nicht am 1. Mai - wie es noch Ex-Präsident Donald Trump angekündigt hatte -, sondern erst am 11. September abzuschließen, hat die Anzahl der gezielten Attentate auf Einzelpersonen in Afghanistan wieder zugenommen. Daneben kommt es zu Angriffen auf Militärposten und Anschlägen mit am Straßenrand versteckten Bomben.

Für heute geplante Friedensgespräche in Istanbul hatten die Taliban wegen des längeren Verbleibs der US-Truppen abgesagt. Beobachter erwarten ein heftiges Wiederaufflammen des Bürgerkrieges, wenn bis zum Abzug der internationalen Truppen keine Friedensregelung erzielt wird.

Taliban-Angriffe auf regierungstreue Soldaten

Alleine am Samstag starben sieben Kämpfer einer regierungstreuen Truppe in der Nordprovinz Takar bei einem Taliban-Angriff. Dabei setzten die Islamisten nach Angaben eines Geheimdienstoffiziers auch eine Drohne ein. Im Bezirk Mohammad Agha der Provinz Logar wurden nach Polizeiangaben außerdem drei Soldaten bei der Detonation einer Bombe am Straßenrand getötet.

In den ersten drei Monaten des Jahres sind nach Zählung des UN-Hilfseinsatzes UNAMA in Afghanistan mindestens 573 Zivilisten getötet und 1210 verwundet worden. Das sind fast 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei stiegen insbesondere die Zahl der Frauen unter den Opfern um 37 Prozent und die der Kinder um 23 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. April 2021 um 16:00 Uhr.