Afghanische Frauen warten an einer vom Welternährungsprogramm organisierten Geldausgabestelle, auf die Auszahlung von Bargeld. | dpa

Amnesty-Bericht Frauen in Afghanistan zunehmend ohne Schutz

Stand: 06.12.2021 04:13 Uhr

Fast 20 Jahre lang waren Frauenhäuser in Afghanistan ein Zufluchtsort für Tausende Mädchen und Frauen, die Gewalt entkommen wollten. Einem Bericht von Amnesty International zufolge ist davon kaum etwas geblieben.

In Afghanistan ist es für weibliche Gewaltopfer seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban laut Amnesty International (AI) fast unmöglich geworden, Hilfe zu bekommen. Unterstützungsnetzwerke für Überlebende von Gewalt in Beziehungen oder Zufluchtsorte wie Frauenhäuser seien so gut wie verschwunden, heißt es in einem von der Menschenrechtsorganisation veröffentlichten Bericht. 

Amnesty fordert Wiedereröffnung der Notunterkünfte

Die Frauenhäuser hätten Frauen und Mädchen zu ihren Familien zurückschicken müssen, andere Opfer seien von ihren Familienmitgliedern gewaltsam weggebracht worden, heißt es weiter. Wieder andere seien seither auf der Straße gelandet. Amnesty habe zudem glaubwürdige Berichte erhalten, Taliban hätten betroffene Frauen in Gefängnisse gebracht. 

AI-Generalsekretärin Agnès Callamard forderte die Taliban auf, die Wiedereröffnung von Notunterkünften zu gestatten und zu unterstützen. Die internationale Gemeinschaft solle solche Schutzdienste zudem sofort und langfristig finanzieren. In Afghanistan erleben UN-Angaben zufolge neun von zehn Frauen in ihrem Leben mindestens eine Form von Gewalt in der Partnerschaft. Vor der Machtübernahme der Taliban wandten sich jährlich Tausende Frauen an ein landesweites Netz von Frauenhäusern und Dienstleistern, die sie mit Rechtsberatung, Anwälten, medizinischen oder psychosozialer Hilfe unterstützten. 

Frauenministerium aufgelöst

Eine im neunten Monat schwangere Afghanin sagte Amnesty International, ihr Mann habe alles aufgehoben, was er finden konnte, und sie damit geschlagen. "Immer wenn er mich schlug, traf sich seine Familie und sah zu. Es passierte fast jeden Tag." Amnesty zufolge suchte die Frau nach einem sicheren Ort, an dem sie leben konnte. Früher habe es ein Frauenhaus gegeben, aber dort habe man ihr gesagt, es sei geschlossen, man nehme keine neuen Fälle auf. 

Benafscha Efaf von der afghanischen Frauenrechtsorganisation Women for Afghan Women (WAW) sagte der Nachrichtenagentur dpa, es habe auch jede Menge Gegenwind aus der vorherigen Regierung gegeben. "Aber damals hatten wir immerhin die Unterstützung des Frauenministeriums und vieler Ältester. Das waren Beziehungen, die wir über Jahre aufgebaut hatten." WAW ist eine von sechs Organisationen, die in Afghanistan Frauenhäuser betrieben. 

Das Frauenministerium ist mittlerweile von den Taliban aufgelöst, die Frauenhäuser von WAW selbst geschlossen worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Dezember 2021 um 07:30 Uhr.