Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht beim Afghanistan-Besuch mit einem Soldaten. | dpa

Kramp-Karrenbauer in Afghanistan "Lage wird gefährlicher und schwieriger"

Stand: 26.02.2021 17:57 Uhr

Beim Afghanistan-Truppenbesuch stellt Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer fest: Der Stand der Friedensgespräche sei "ernüchternd", die Gefährdung durch die Taliban nehme zu.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Die Bundeswehr stellt Fotos vom Besuch der Verteidigungsministerin zur Verfügung. Darauf: Annegret Kramp-Karrenbauer, die ihre Windjacke bis oben hin fest zugeschnürt hat. Für die Bundeswehr-Truppen im Norden Afghanistans könnte in der Tat bald ein Sturm aufziehen.

Silke Diettrich ARD-Studio Neu-Delhi

Diese Tatsache redet auch die Verteidigungsministerin nicht schön:

Wir können keinen hundertprozentigen Schutz gewährleisten. Und die Lage wird für unsere Soldatinnen und Soldaten gefährlicher und schwieriger, das muss jedem bewusst sein.

Denn eigentlich hätten die Soldatinnen und Soldaten gemeinsam mit der NATO bis zum Mai abziehen sollen. So zumindest steht es in dem Abkommen, das die USA mit den Taliban vor einem Jahr vereinbart hatten.

Stillstand im Friedensprozess "will niemand"

Allerdings war dieser Deal auch an Bedingungen geknüpft: Die Taliban sollten ihre Verbindungen zu Terrorgruppen wie Al-Kaida aufkündigen und ihnen keinen Schutz mehr im Land bieten. Das war der offizielle Grund, warum die USA vor rund 20 Jahren in Afghanistan einmarschiert waren, um den Terrorchef Osama bin Laden zu finden.

Mit der Operation "Enduring Freedom" zogen dann auch deutsche Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan in den Krieg. Eine andauernde Freiheit ist durch den Einsatz nicht erreicht worden. Die Bundeswehr ist aber mittlerweile nicht mehr im Kampfeinsatz, ihre Mission lautet nun: "Resolute Support", also entschlossene Unterstützung.

Und die würde, wenn der Bundestag bald zustimmt, auch für die nächsten zehn Monaten weiter gelten, sagte die Verteidigungsministerin im Skype-Interview aus dem Bundeswehr-Camp im Norden von Afghanistan: "Viele Soldatinnen und Soldaten haben mir gesagt, wie wichtig sie diesen Einsatz finden. Dass sie der Meinung sind, sie müssen das weiter mit absichern." Viele von ihnen seien der Meinung, dass der Friedensprozess bei einem vollständigen Rückzug ganz zum Stillstand käme - "und das will hier niemand."

Taliban drohen bereits mit "großem Krieg"

Seit September sitzen die Taliban mit Vertretern der Regierung und der afghanischen Bevölkerung zusammen an einem Tisch - außerhalb des Landes. In Afghanistan habe seitdem die Gewalt allerdings wieder zugenommen, schreiben die Vereinten Nationen in einem aktuellen Bericht.

Die Friedensgespräche seien "ernüchternd", sagt Kramp-Karrenbauer dazu. Daher sei der weitere Einsatz der internationalen Truppen notwendig. Darüber würde spätestens im März auch die NATO entscheiden.

Die Bundeswehr mache hier keinen Alleingang: "Wir sind gemeinsam in diesen Einsatz gegangen. Wir haben ihn gemeinsam über die Jahre immer wieder angepasst. Und wir werden diesen Einsatz auch gemeinsam beenden."

Sollten die internationalen Truppen nicht bis Mai abgezogen sein, haben die radikal islamischen Taliban schon gedroht: Dann gäbe es einen "großen Krieg".

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer zur Gefährdungslage in Afghanistan

"Wir nehmen die Drohungen der Taliban sehr ernst und bereiten uns im Lager selbst und auch in Deutschland vor, indem wir zusätzliche Kräfte bereithalten, indem wir die Frist, in der diese Kräfte einsatzbereit sind, auf sieben Tage verkürzen; indem wir auch die Möglichkeiten schaffen, zusätzliche Verteidigungsmittel ins Lager zu bringen, wenn der Kommandeur das anfordert."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. Februar 2021 um 16:51 Uhr.