Ein Kämpfer der Taliban kniet auf der Straße an einem Checkpoint im afghanischen Kandahar. (Archivbild) | AFP

Afghanistan Ausreise von Ortskräften stockt

Stand: 07.08.2022 20:01 Uhr

Überhastet verließen Deutschland und andere NATO-Staaten vor gut einem Jahr Afghanistan - mit dem Versprechen, zurückgebliebene ehemalige Helfer nachzuholen. Doch die Taliban machen den Menschen die Ausreise so schwer wie möglich.

Die Ausreise gefährdeter Afghaninnen und Afghanen mit dem Ziel Deutschland ist ins Stocken geraten. Es gebe immer neue Schikanen der Taliban, schreibt der "Spiegel". Vom Auswärtigen Amt hieß es dazu, die Machthaber in Kabul ließen die Menschen lediglich aus dem Land, wenn sie über einen Reisepass verfügten - allerdings würden in dem Land kaum Pässe ausgestellt.

Nach dem Abzug der NATO aus dem Land hatte die Bundesregierung ein Notfallprogramm eingerichtet für Tausende frühere Ortskräfte deutscher Institutionen, politische Aktivisten und Künstler. Im Juli gelangten so laut "Spiegel" 1044 Afghaninnen und Afghanen nach Deutschland. Ursprünglich allerdings sollten demnach von Anfang Juli bis Mitte September 7700 Afghanen die Ausreise ermöglicht werden - ein immer unrealistischer werdendes Ziel.

Vereinbarung mit Pakistan torpediert

Mit Pakistan besteht eine Vereinbarung, dass besonders Schutzbedürftige auch ohne Pass einreisen dürfen. Außenministerin Annalena Baerbock hat sich Anfang Juni mit ihrem pakistanischen Amtskollegen getroffen. Doch auch hier verhinderten die Taliban die Umsetzung, so das Auswärtige Amt. Das Ministerium sei mit weiteren Ländern in Kontakt, um zusätzliche Routen auf dem Land- und Luftweg zu öffnen. Für alle Ausreisewege seien die fehlenden Pässe aber "ein großes Problem".

Insgesamt sicherte Deutschland seit dem Abzug der Bundeswehr vor rund einem Jahr insgesamt 23.614 ehemaligen Ortskräften und Familienangehörigen die Aufnahme, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bestätigte - zuerst hatte die "Welt am Sonntag" berichtet. Tatsächlich eingereist sind demnach bisher 17.556.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. August 2022 um 00:20 Uhr in den Nachrichten.