Karte Afghanistan Nerkh Kabul

Afghanistan Taliban erobern Bezirk bei Kabul

Stand: 12.05.2021 13:44 Uhr

Die radikalislamischen Taliban haben einen strategisch wichtigen Bezirk in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul erobert. Das Verteidigungsministerium kündigte eine Gegenoffensive an.

Kämpfer der radikalislamischen Taliban haben einen bislang von der afghanischen Regierung kontrollierten Bezirk rund 26 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Kabul erobert. Nach Angaben des Innenministeriums zogen sich die afghanischen Regierungstruppen daraufhin zunächst aus dem Bezirk Nerkh zurück.

Eine Woche lang hatten Kämpfer der Taliban das Zentrum des Bezirks Nerkh belagert. Vertreter lokaler Behörden sagten, die Radikalislamisten hätten zuvor schon große Teile des Bezirks in der zentralen Provinz Wardak gehalten. Dort startete das afghanische Militär inzwischen eine Gegenoffensive zur Rückeroberung des Gebietes.

Einfallstor für militante Gruppen

Nerkh ist strategisch wichtig - zum einen, weil es nur 26 Kilometer weg von der Hauptstadt liegt. Zum anderen, weil durch den Bezirk wichtige Verbindungsstraßen führen. Die örtlichen Sicherheitskräfte hätten Verstärkung aus Kabul angefordert, gekommen sei aber niemand, hieß es.

Das Verteidigungsministerium erklärte, es werde eine Offensive starten, um den Bezirk zurückzuerobern. Das Gebiet in der Provinz Wardak gilt als Einfallstor für militante Gruppen, um Angriffe auf Kabul zu starten.

Mehrere Offensiven seit Abzug der US- und NATO-Truppen

Unklar ist, was mit den 70 Verteidigern von Nerkh passiert ist. Das Innenministerium erklärte, sie hätten sich "taktisch zurückgezogen". In anderen Berichten hieß es, einige hätten sich nach dem Kampf ergeben, es habe aber auch mehrere Tote gegeben. Das Gebäude der Bezirksverwaltung sei von den Taliban in Brand gesetzt worden.

Seit Beginn des offiziellen Abzugs der US- und NATO-Truppen aus Afghanistan am 1. Mai haben die Taliban mehrere Offensiven im Land gestartet. Sie greifen die Sicherheitsringe rund um mehrere Provinzhauptstädte an, aber auch mittelgroße Militärbasen. Dutzende Sicherheitskräfte sind seither getötet worden. Einige Offensiven konnten die Sicherheitskräfte zurückschlagen, andernorts stehen sie schwer unter Druck. Für die am Donnerstag beginnenden Eid-Feiertage haben die Islamisten eine dreitägige Waffenruhe angekündigt. 

Mit Informationen von Peter Hornung, ARD-Studio Neu-Delhi

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Mai 2021 um 09:43 Uhr.