Eine Delegation der Taliban trifft zu Gesprächen mit Vertretern der afghanischen Regierung in Doha (Katar) ein | AP

Taliban zu US-Plänen "Dann wird der Konflikt angeheizt"

Stand: 08.03.2021 16:37 Uhr

Noch ist unklar, ob die Biden-Regierung zum Doha-Abkommen steht, wonach die USA bis Ende April aus Afghanistan abziehen. Offenbar strebt sie neue Friedensgespräche an, und das trifft auf den Widerstand der Taliban.

Von Sibylle Licht, ARD-Studio Südasien

Der neue US-Außenminister Blinken will offenbar die Friedensgespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung vorantreiben. Einem Bericht des afghanischen Nachrichtensenders "Tolo News" zufolge schlägt er in einem Brief an Afghanistans Präsident Ashraf Ghani eine Konferenz unter UN-Vermittlung vor. An der sollen die radikal-islamistischen Taliban und Vertreter der afghanischen Regierung teilnehmen. Gemeinsam mit Russland, China, Pakistan, Iran, Indien und den USA solle nach einer Friedenslösung für Afghanistan gesucht werden.

Sibylle Licht ARD-Studio Neu-Delhi

Seit Monaten kommen die Friedensgespräche zwischen den Taliban und Vertretern der afghanischen Regierung nicht voran. Am 29. Februar 2020 hatten die USA allein mit den Taliban ein Abkommen in Doha getroffen. Es sollte den Weg zu Friedensverhandlungen für Afghanistan frei machen und den zwei Jahrzehnte andauernden Krieg beenden. Ein Teil des Abkommens war, dass die Taliban die Anschläge reduzieren. Im Gegenzug hatten die Taliban den Abzug aller internationalen Truppen aus Afghanistan bis Ende April 2021 verlangt.

Wie schnell kann der Abzug gehen?

Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Der neue US-Präsident Joe Biden hat eine Überprüfung des Abkommens angeordnet, und für einen geordneten Abzug wird schon logistisch die Zeit knapp. Die Bundesregierung hat sich schon bereit erklärt, die Militärmission in Afghanistan im Rahmen des NATO-Einsatzes bis zum 31. Januar 2022 zu verlängern. Der Bundestag muss noch darüber entscheiden.

Im Interview mit dem ARD-Studio Südasien verlangt jetzt der Sprecher der radikal-islamischen Taliban Mohammad Naeem die Einhaltung des Abkommens von Doha. "Wir fordern, dass alle Seiten das Abkommen respektieren. Nur das ist die Lösung. Aber falls Deutschland doch seine Truppen im Land lässt, weil Deutschland meint, das sei die Lösung, so wird das Problem nur größer."

Auf die USA bezogen sagt Naeem: "Wir haben viele Tage und Nächte jeden einzelnen Punkt des Abkommen diskutiert. Wenn nun jetzt die USA sich nicht an die Abmachungen halten, wird das nicht den Konflikt in Afghanistan lösen. Im Gegenteil, es wird ihn anheizen." Die USA haben noch keinen konkreten Abzugsplan vorgelegt.

USA verlangen Reduzierung der Gewalt

Für die Biden-Administration verhandelt mittlerweile der Sonderbeauftragte für Afghanistan, Zalmay Khalizad, in Kabul und Doha. Er gibt sich in zuversichtlich. Binnen 100 Tagen könnte es zu einer politischen Vereinbarung zwischen der afghanischer Regierung und Taliban kommen, sagte er in einem Interview und stellte den weiteren Abzug der US-Truppen in Aussicht. Der sei aber weiterhin an Bedingungen geknüpft. Dazu gehöre die Reduzierung von Gewalt.

Naeem entgegnet dazu im ARD-Interview, die Taliban hätten den Afghanen gezeigt, dass sie zu Verhandlungen bereit seien, um den Konflikt  zu beenden: "Wir haben unseren Teil erfüllt, wir übernehmen Verantwortung." Laut Naeem haben die Taliban ihre großen Militäroperationen ebenso wie die Selbstmordanschläge gestoppt.

Laut einem aktuellen Bericht der UN-Mission für Afghanistan UNAMA gab es 2020 45 Prozent mehr gezielte Tötungen von Zivilisten als 2019. Die Taliban setzen laut dem Bericht gezielt Sprengsätze ein.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 08. März 2021 um 16:09 Uhr.