Ein Taliban an einem Kontrollposten in der Stadt Kandahar, Afghanistan. | picture alliance / abaca

Seit Machtübernahme der Taliban 100 afghanische Ex-Sicherheitskräfte getötet

Stand: 14.12.2021 15:38 Uhr

Laut Angaben der UN sind seit der Machtübernahme der Taliban mindestens 100 ehemalige Sicherheitskräfte in Afghanistan getötet worden. Doch die Lage ist offenbar viel dramatischer, denn viele Taten werden nicht dokumentiert.

Mehr als 100 ehemalige afghanische Sicherheitskräfte sind nach Angaben der Vereinten Nationen seit der Machtübernahme der Taliban am Hindukusch getötet worden. In den meisten Fällen seien die Taten von der radikalislamischen Gruppe verübt worden, sagte die Hochkommissarin für Menschenrechte, Nada Al-Nashif, in Genf. Auch seien mindestens acht afghanische Aktivisten und zwei Journalisten umgebracht worden.

Darüber hinaus rekrutierten die Taliban Kindersoldaten und sie unterdrückten Frauen. Die Sicherheitslage von Richtern, Staatsanwälten und Anwälten, insbesondere von Frauen im Justizwesen, sei alarmierend.

Gezielte Tötungen und Verschleppungen

Auch der Gesandte der ehemaligen afghanischen Regierung, der von den Vereinten Nationen immer noch als UN-Botschafter seines Landes anerkannt wird, zeichnete vor dem Menschenrechtsrat ein drastisches Bild der Lage. Nasir Ahmed Andischa warf den Taliban zahlreiche Menschenrechtsverstöße, gezielte Tötungen und Verschleppungen vor.

Die Islamisten begingen völlig ungestraft eine ganze Reihe von Misshandlungen, die in vielen Fällen nicht gemeldet und nicht dokumentiert würden. Seit der militärischen Übernahme Kabuls im August würden die Errungenschaften der vergangenen zwei Jahrzehnte vollkommen umgekehrt.

Berlin will Afghanen aufnehmen

Das Land Berlin kündigte indes an, in den kommenden fünf Jahren insgesamt 500 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen. Das beschloss der rot-rot-grüne Senat der Hauptstadt heute auf seiner voraussichtlich letzten Sitzung in alter Zusammensetzung.

Pro Jahr sollen demnach über ein Berliner Landesaufnahmeprogramm hundert Menschen aufgenommen werden, die vom UN-Flüchtlingswerk UNHCR als besonders verletzlich eingestuft werden. Dazu zählen unter anderem auch Oppositionelle oder Menschenrechtler.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Dezember 2021 um 14:30 Uhr.