Baschir Nursai auf einer Pressekonferenz am 19. September 2022 in Kabul, Afghanistan | AFP

Einigung mit Taliban USA tauschen Ex-Drogenboss aus

Stand: 19.09.2022 14:19 Uhr

Der eine war Waffenhändler und Drogenboss, der andere früher US-Soldat: In Kabul haben die USA und Afghanistan zwei Gefangene ausgetauscht. Die Taliban feiern das als Beginn einer neuen Ära, die US-Regierung schweigt.

Die USA und die in Afghanistan herrschenden Taliban haben zwei Gefangene ausgetauscht. Der ehemalige US-Soldat Mark Frerichs sei am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul gegen den in den USA inhaftierten früheren Milizenführer und Drogenhändler Baschir Nursai ausgetauscht worden, sagte der afghanische Außenminister Amir Khan Muttaki vor Journalisten.

Ehemaliger US-Soldat nach mehr als 32 Monaten wieder frei

Frerichs sei nach "langen Verhandlungen" einer US-Delegation übergeben worden, so Muttaki. Frerichs war am 31. Januar 2020 während seiner Arbeit als ziviler Ingenieur für Bauprojekte entführt worden und soll sich in den Händen des Hakkani-Nezwerks befunden haben. In einem vor einigen Monaten veröffentlichten Video bat Frerichs um seine Freilassung.

Waffenhändler, Geheimagent, Drogenboss

Der gegen ihn ausgetauschte Nursai hatte die Taliban während ihrer ersten Herrschaft in den 1990er-Jahren mit Waffen beliefert und ließ sich später von den USA als Geheimagent anwerben. Zuvor waren die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert.

2005 wurde Nursai in den USA jedoch wegen Heroinschmuggels festgenommen und 2008 zu lebenslanger Haft verurteilt. Laut dem FBI galt er zu diesem Zeitpunkt als einer der mächtigsten Drogenbosse der Welt.

Umstrittener Friedensvertrag

Nach dem Friedensvertrag von 2020 zwischen den USA und den Taliban wurden Tausende Talibankämpfer und -unterstützer aus Gefängnissen entlassen. Nicht zuletzt deswegen stieß der Friedensvertrag auf scharfe Kritik in Afghanistan.

Nach Ansicht vieler Afghanen ebnete dieser den Weg für den Siegeszug der Taliban. Im August 2021 - nach dem chaotischen Rückzug der NATO-Truppen - übernahmen die militanten Islamisten wieder die Macht in Afghanistan.

Muttaki: "Neue Ära" in den Beziehungen zu den USA

Ohne die Taliban wäre seine Freilassung "unmöglich" gewesen, sagte Nursai am Montag. Außenminister Muttaki sprach von einer "neuen Ära" in den Beziehungen zwischen den in Afghanistan regierenden Extremisten und den USA. US-Vertreter äußerten sich vorerst nicht dazu.

Zu seiner Behandlung im berüchtigten US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba sagte Nursai nichts. Dort wurden im Namen des von den USA 2001 ausgerufenen Kriegs gegen den Terror Verdächtige aus Afghanistan, dem Irak und anderen Ländern inhaftiert.

Weltweit wurde Kritik laut, dass ihnen dort ihre Rechte als Häftlinge vorenthalten wurden und dass es zu Folter und Missbrauch gekommen sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. September 2022 um 14:00 Uhr.