Das Hauptquartier der NATO in Brüssel.  | dpa

Afghanistan NATO setzt Krisentruppe für Ortskräfte ein

Stand: 09.09.2021 10:34 Uhr

Nach der Machtübernahme der Taliban will die NATO die Versorgung der geretteten Ortskräfte sicherstellen - mit einer Krisentruppe, die zuletzt 2005 im Einsatz war. Mehr als 20 Mitgliedsländer sind an der Aktion beteiligt.

Die NATO setzt erstmals seit rund 16 Jahren wieder Einheiten ihrer Krisenreaktionstruppe NRF ein. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur dpa sind derzeit rund 300 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, um bei der Versorgung und vorübergehenden Unterbringung von Afghanen zu helfen, die nach der Machtübernahme der Taliban aus ihrer Heimat nach Europa gebracht wurden. Hinzu kommen Hunderte von NATO-Mitarbeitern, die die Operation aus Kommandos und Hauptquartieren unterstützen.

Bei dem Einsatz geht es nach Bündnis-Angaben vor allem um die Versorgung evakuierter Afghanen, die mit der NATO zusammengearbeitet haben und noch keine längerfristige Bleibe haben. Das sind inklusive Familienmitgliedern rund 1400 Menschen. Für sie wurden Notunterkünfte im Kosovo und in Polen eingerichtet.

Mehr als 20 Bündnisstaaten beteiligt

"Die NRF verfügt über robuste Führungsfähigkeiten, die ideal für eine Mission dieser Größe und Komplexität sind", sagte ein Sprecher des zuständigen Streitkräftekommandos. Die Truppe könne nicht nur eine schnelle militärische Reaktion in Krisensituationen sicherstellen, sondern auch friedensunterstützende Operationen durchführen, kritische Infrastruktur schützen und Katastrophenhilfe leisten.

Nach Angaben des Sprechers wurde der Einsatz für die afghanischen Helfer bereits am 24. August vom Nordatlantikrat gebilligt - dem wichtigsten politischen Entscheidungsgremium der NATO. Bereits 24 Stunden später waren die ersten Truppen vor Ort.

Beteiligt sind den Angaben zufolge mehr als 20 Bündnisstaaten, die zum Beispiel Transportflugzeuge, medizinische Teams oder Sicherheitspersonal bereitstellen. Kernelement der NRF bei dem Einsatz seien Logistikexperten der Joint Logistic Support Group Neapel (JLSG).

NRF war zuletzt in den USA und Pakistan im Einsatz

Einheiten der NRF waren zuletzt 2005 in den Einsatz geschickt worden, um Opfern des Wirbelsturms "Katrina" in den USA und der Erdbeben in Pakistan zu helfen. Andere Vorschläge zu ihrer Verwendung scheiterten an mangelnder Einstimmigkeit im Kreis der Bündnisstaaten.

So hatten beispielsweise die USA 2009 vorgeschlagen, die Truppe zur Verstärkung der Militäroperationen der NATO in Afghanistan zu nutzen - Deutschland und andere NATO-Staaten lehnten dies jedoch ab. Kampfeinsätze hat die in den Jahren nach 2002 aufgebaute NRF deshalb noch nie absolviert.

Die Gesamtstärke der Truppe wurde zuletzt mit 40.000 Soldatinnen und Soldaten angegeben. Sie werden im jährlichen Wechsel von unterschiedlichen NATO-Staaten gestellt.

Der Machtübernahme der Taliban und den anschließenden Evakuierungsoperationen war die Entscheidung der NATO vorausgegangen, ihren Einsatz zur Ausbildung, Beratung und Unterstützung von afghanischen Sicherheitskräften bedingungslos zu beenden.

Taliban lassen 200 US-Amerikaner ausreisen

Nach Angaben der USA lassen die radikal-islamischen Taliban 200 US-Amerikaner und andere Zivilisten aus Afghanistan ausreisen, die nach Ende des Evakuierungseinsatzes zurückgeblieben sind. Genutzt würden Charter-Flüge vom Flughafen Kabul, sagte ein US-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters.

Der US-Sondergesandte für Afghanistan Zalmay Khalilzad habe die Taliban gedrängt, die Menschen ausreisen zu lassen, sagte der Insider, der seinen Namen nicht genannt haben wollte. Ob diese Menschen aus den USA und Drittländern unter denen seien, die tagelang in Masar-i-Scharif festsaßen, weil ihre private Charter-Maschine nicht starten durfte, war unklar.

Die USA hatten am 31. August ihre letzten Soldaten aus Afghanistan abgezogen und ihren Militäreinsatz dort nach 20 Jahren beendet. Damit stoppten die USA und auch andere Länder ihre Evakuierungsflüge aus der Hauptstadt Kabul, mit denen sie eigene Staatsangehörige und afghanische Ortskräfte sowie besonders gefährdete Personen außer Landes gebracht hatten.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 08. September 2021 um 22:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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teachers voice 09.09.2021 • 15:50 Uhr

re 15:43 Tarek94: Diskussion

>>"Jetzt brauchen wir eine Diskussion darüber, was funktionieren könnte." Das sehe ich nicht so. Das letzte was die Afghanen brauchen, ist das die Deutschen darüber diskutieren was die Afghanen zu tun und zu lassen haben.<< Sie tun es doch gerade!