Vertreter der Taliban bei der Afghanistan-Konferenz in Moskau | dpa

Afghanistan-Konferenz Moskau lobt und ermahnt Taliban

Stand: 20.10.2021 18:55 Uhr

Bei einer Konferenz in Moskau zur politischen Zukunft Afghanistans hat die russische Regierung an die Taliban appelliert, die Menschenrechtslage im Land zu verbessern. Moskau erkannte aber auch bisherige Bemühungen an.

Bei einer von Moskau organisierten internationalen Konferenz zur Lage in Afghanistan hat Russland die Bemühungen der radikalislamischen Taliban zur Stabilisierung des Landes hervorgehoben.

Der Afghanistan-Beauftragte des Kreml, Samir Kabulow, rief die neuen Machthaber in Afghanistan zugleich zur Achtung der Menschenrechte auf. Nur dann hätten die Taliban eine Chance auf internationale Anerkennung ihrer Regierung. Die Taliban hätten versichert, "dass sie an der Verbesserung der Regierungsführung und der Menschenrechte arbeiten", so Kabulow.

"Nicht jeder mag die neue Regierung"

Die internationale Gemeinschaft rief er auf, ihre "Voreingenommenheit" aufzugeben und dem afghanischen Volk mit vereinten Kräften zu helfen. "Nicht jeder mag die neue Regierung in Afghanistan, aber wenn wir die Regierung bestrafen, bestrafen wir das ganze Volk", sagte er. Laut Kabulow wollten alle zehn teilnehmenden Länder zum Abschluss der Gespräche die Vereinten Nationen in einer gemeinsamen Erklärung auffordern, eine Geberkonferenz einzuberufen, um Gelder für Afghanistan zu sammeln.

Der Delegationsleiter der Taliban, Vize-Regierungschef Abdul Salam Hanafi, erklärte, seine Regierung sei bereit, "sämtliche Bedenken der internationalen Gemeinschaft mit aller Klarheit, Transparenz und Offenheit" zu diskutieren. Eine internationale Isolation Afghanistans sei "in niemandes Interesse".

Taliban fordern Gelder für "Wiederaufbau"

An die internationale Gemeinschaft appellierte Hanafi, Gelder für den Wiederaufbau des Landes zur Verfügung zu stellen. "Wir brauchen keine ausländische Militärhilfe, wir brauchen Unterstützung für den Frieden in Afghanistan, wir brauchen Wiederaufbau und Wiederansiedlung", sagte er.

Zu der Konferenz in Moskau hatte Russland neben den Vertretern der Taliban auch Diplomaten aus mehreren Ländern eingeladen, unter ihnen Afghanistans Nachbarstaaten China, Pakistan und der Iran. Die US-Regierung hatte eine Teilnahme kurzfristig abgesagt.

In Russland sind die Taliban als "Terrororganisation" eingestuft. Dennoch hatte Moskau in den vergangenen Jahren mehrfach Vertreter der Islamisten empfangen. Bislang hat aber auch Russland stets deutlich gemacht, dass es kurzfristig keine offizielle Anerkennung der Taliban-Regierung plant.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2021 um 12:17 Uhr.