Afghanische Soldaten patrouillieren in der Nähe der Grenzstadt Spin Boldak. | EPA

Grenzstadt Spin Boldak Afghanische Regierung meldet Rückeroberung

Stand: 16.07.2021 17:37 Uhr

Bei einer Offensive der afghanischen Armee zur Rückeroberung einer Grenzstadt zu Pakistan vermeldet die Regierung erste Erfolge. Die NATO hat ihren Einsatz im Land offenbar still und leise beendet.

Afghanische Regierungstruppen haben eine Offensive zur Rückeroberung der Grenzstadt Spin Boldak von den Taliban gestartet. Ein Sprecher des Kabuler Innenministeriums teilte auf Twitter mit, die Truppen hätten die Stadt in der Provinz Kandahar wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Sie war Anfang der Woche von Taliban-Kämpfern eingenommen worden, ebenso wie Dutzende weitere Bezirke in Afghanistan seit Beginn der finalen Phase des Rückzugs von NATO-Truppen aus dem Land.

Bei den Kämpfen um Spin Boldak wurde ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters getötet. Der Mann sei im Kreuzfeuer der Taliban zusammen mit einem afghanischen Offizier ums Leben gekommen, hieß es in einer Mitteilung der Agentur.

NATO hat Afghanistan-Einsatz beendet

Unterdessen beendete die NATO ihren Militäreinsatz in Afghanistan heute nach knapp zwei Jahrzehnten still und leise. Wie der Nachrichtenagentur dpa von mehreren Diplomaten und Militärs bestätigt wurde, stehen die derzeit noch im Land stationierten Soldaten aus Staaten wie den USA und der Türkei mittlerweile vollständig unter der Führung der nationalen Kommandoketten. Der bislang blutigste Militäreinsatz des Bündnisses sei damit de facto Geschichte, hieß es.

Dass das Ende des Militäreinsatzes bislang nicht offiziell kommuniziert wurde, hat nach Informationen der dpa damit zu tun, dass der Operationsplan formell noch nicht außer Kraft gesetzt wurde - insbesondere aus administrativen Gründen. Als ein weiterer Grund gilt, dass der nationale Einsatz der USA noch läuft. US-Präsident Joe Biden hatte zuletzt eine Beendigung bis Ende August angekündigt.

Allein die US-amerikanischen Streitkräfte verloren am Hindukusch mehr als 2300 Soldaten. Die Bundeswehr beklagte 59 Opfer. Der NATO-Einsatz am Hindukusch hatte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf Wunsch der USA begonnen, um dem von Afghanistan ausgehenden Terrorismus ein Ende zu bereiten.

Russland gibt USA und NATO Mitschuld an Eskalation

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf auf einer Konferenz in der usbekischen Hauptstadt Taschkent den USA und der NATO vor, mit einem "hastigen Abzug" eine "schnelle Verschlechterung der Lage in Afghanistan in den vergangenen Tagen" mitverursacht zu haben.

"Die Krise in Afghanistan hat zu einer Verstärkung der terroristischen Bedrohung geführt und das Problem des illegalen Drogenschmuggels hat ein beispielloses Ausmaß erreicht", sagte Lawrow. "Es gibt reale Gefahren eines Übergreifens der Instabilität auf benachbarte Länder." An der Konferenz in Taschkent nahmen Delegationen aus Russland, den USA, China und Nachbarn Afghanistans teil. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juli 2021 um 23:46 Uhr.