Eine Transportmaschine der Luftwaffe landet auf dem Flughafen in Taschkent. | Bundeswehr/Marc Tessensohn

Rettung aus Afghanistan Bundeswehr fliegt weitere 139 Menschen aus

Stand: 18.08.2021 06:41 Uhr

Ein drittes Bundeswehrflugzeug ist in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gelandet - die 139 Geretteten sollen heute nach Deutschland weiterfliegen. Im Laufe des Tages sollen vier weitere Flüge nach Kabul starten.

Die Bundeswehr hat am Abend weitere 139 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen. An Bord des dritten Evakuierungsflugs befanden sich "deutsche, andere europäische und afghanische Staatsbürger", wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte. Am späten Abend sei die Maschine vom Typ A400M in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gelandet, erklärte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr auf Twitter.

Von dort sollen die Menschen mit der Lufthansa heute weiter nach Deutschland gebracht werden. Damit seien die Evakuierungsflüge von Dienstag abgeschlossen, teilte das Einsatzführungskommando weiter mit. Ein Flug konnte demnach offenbar nicht stattfinden. "Grund hierfür ist die momentan fehlende Verfügbarkeit der Flughafenfeuerwehr in Kabul." Um dies auszugleichen, seien für Mittwoch vier Flüge nach Kabul vorgesehen.

Das Verteidigungsministerium teilte auf Twitter mit, nunmehr seien mehr als 260 Personen aus Afghanistan ausgeflogen worden. "Und wir evakuieren so lange es geht weiter", betonte das Ministerium.

Von Taschkent nach Deutschland

Die Evakuierten, die bereits am Dienstagnachmittag in Taschkent eingetroffen waren, landeten am frühen Morgen in einer Lufthansa-Maschine des Typs Airbus 340 am Frankfurter Flughafen. An Bord waren nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa rund 130 Evakuierte aus Kabul. Die Bundesregierung hatte den Langstreckenjet gechartert.

Erste evakuierte Mitarbeiter der Botschaft in Kabul waren bereits Dienstagnachmittag nach Deutschland gekommen. Nach dpa-Informationen landeten sie mit einer Linienmaschine auf dem Berliner Flughafen Schönefeld. In der Nacht zu Montag waren sie unter den ersten 40 deutschen Staatsbürgern, die mit einem US-Flugzeug nach Doha im Golfemirat Katar ausgeflogen worden waren.

Kabinett beschließt Mandat

Das Bundeskabinett hat den Entwurf für ein Bundeswehr-Mandat zum Evakuierungseinsatz in Afghanistan inzwischen beschlossen. In der kommenden Woche soll dann der Bundestag darüber entscheiden. Da die Aktion bereits läuft und auf breite Zustimmung stößt, gilt die Zustimmung als Formsache - dennoch muss das Parlament über einen solchen, offiziell neuen Auslandseinsatz nach Ende des NATO-Mandats abstimmen.

Laut Gesetzentwurf sind für die Mission bis zu 600 Soldaten vorgesehen. Das Mandat soll bis zum 30. September laufen, bei geschätzten Kosten in Höhe von 40 Millionen Euro.

Schwierige Lage in Kabul

Außenminister Heiko Maas erklärte am Abend: "Die Luftbrücke ist angelaufen und wird intensiv fortgesetzt, sofern die Sicherheitslage dies irgendwie zulässt." Die Taliban ließen derzeit nur ausländische Staatsbürger zum Flughafen in Kabul vor, Ortskräfte und andere Afghanen könnten nicht zum Flughafen gelangen.

Die Bundesregierung will sich deshalb in Gesprächen mit Taliban-Vertretern um Ausreisemöglichkeiten für einheimische Ortskräfte in Afghanistan bemühen. Der deutsche Botschafter in Kabul, Markus Potzel, sei in die katarische Hauptstadt Doha gereist, wo US-Vertreter mit Taliban-Repräsentanten im Gespräch sind, sagte Maas. Der Diplomat wolle in seinen Gesprächen in Doha darauf hinwirken, "dass auch Ortskräfte sich an den Flughafen begeben können und auch ausgeflogen werden können." Für Mittwoch seien zwei weitere Flüge geplant, so Maas weiter.

Kooperation mit den USA

Es sollen zudem auch ausländische Maschinen weiter genutzt werden, etwa US-Flieger, um Deutsche in Sicherheit zu bringen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, sollte eine dauerhafte Luftbrücke, in Abstimmung etwa mit der US-Regierung, zustande kommen, könnten auch mehr Transportkapazitäten bereitgestellt werden.

Derzeit sichern hauptsächlich US-Soldaten den Flughafen in Kabul. Nach Angaben des Weißen Hauses sind dort inzwischen etwa 3500 Soldaten im Einsatz. Das Verteidigungsministerium in Washington erklärte, die Zahl werde im Tagesverlauf auf rund 4000 ansteigen. In einigen Tagen sollen es dann bis zu 6000 Soldaten sein.

Das US-Militär hat bislang mehr als 3200 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Allein am Dienstag seien mit 13 Flügen rund 1100 Menschen in Sicherheit gebracht worden, sagte ein Vertreter des Weißen Hauses, der anonym bleiben wollte.

Suche nach weiteren Helfern

Die Bundesregierung sucht derweil noch nach afghanischen Helfern, die das Land noch nicht verlassen konnten. Laut Kanzlerin Angela Merkel seien von den Ortskräften der Bundeswehr und Bundespolizei sehr viele Personen bereits in Deutschland. Nun versuche man Kontakt zu den rund 1000 Ortskräften im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit herzustellen, die aber teilweise nicht in Kabul seien. Dazu kämen die Helfer von Nichtregierungsorganisationen.

Der Grund, warum man diese zunächst nicht auf der Liste der zu Evakuierenden hatte, sei die Annahme gewesen, dass man die Entwicklungszusammenarbeit nach dem Abzug des Militärs zunächst fortsetzen könne, sagte Merkel. Dies sei nun nicht mehr möglich.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. August 2021 um 05:30 Uhr.