Ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Lufthansa steht auf dem Areal des Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg (BER). | dpa

Rettung aus Afghanistan Botschaftsmitarbeiter zurück in Deutschland

Stand: 17.08.2021 19:22 Uhr

In Berlin ist ein Flugzeug mit geretteten Botschaftsmitarbeitern aus Kabul gelandet. Auch die 125 Menschen, die zuvor nach Taschkent ausgeflogen wurden, sollen in der Nacht nach Deutschland gebracht werden.

Die ersten Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul sind nach ihrer Rettung aus Afghanistan zurück in Deutschland. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur landeten sie mit einer Linienmaschine auf dem Berliner Flughafen BER in Schönefeld. In der Nacht zu Montag waren sie unter den ersten 40 deutschen Staatsbürgern, die mit einem US-Flugzeug nach Doha im Golfemirat Katar ausgeflogen worden waren.

Weitere Mitarbeiter werden ausgeflogen

Auch die 125 von der Bundeswehr aus Kabul ausgeflogenen Menschen sollen in der kommenden Nacht in Deutschland ankommen. Sie sollen am Luftwaffen-Drehkreuz in der usbekischen Hauptstadt Taschkent in einen Lufthansa-Sonderflug umsteigen, wie ein Sprecher der Airline mitteilte. Der Flughafen Frankfurt am Main kündigte für 01.55 Uhr die Landung einer Lufthansa-Maschine aus Taschkent an. Ein Airbus A400M der Luftwaffe hatte die Deutschen und afghanischen Ortskräfte am Mittag von Kabul nach Usbekistan gebracht. Außenminister Heiko Maas erklärte: "Die Luftbrücke ist angelaufen und wird intensiv fortgesetzt, sofern die Sicherheitslage dies irgendwie zulässt."

Schwierige Lage in Kabul

Deutschland kann nach seinen Angaben in Kürze weitere 180 Menschen aus Kabul ausfliegen. Diese Personen befänden sich bereits am Flughafen, sagte Maas. Der genaue Zeitpunkt sei aber ungewiss. "Im Moment hat sich vor den Toren des Flughafens die Situation noch einmal etwas verändert. Es gibt wohl durchaus auch Gefahrensituationen." Deshalb sei der Zugang zu dem Tor erschwert.

Die Taliban ließen derzeit nur ausländische Staatsbürger zum Flughafen vor, Ortskräfte und andere Afghanen könnten nicht zum Flughafen gelangen. Die Bundesregierung will sich deshalb in Gesprächen mit Taliban-Vertretern um Ausreisemöglichkeiten für einheimische Ortskräfte in Afghanistan bemühen. Der deutsche Botschafter in Kabul, Markus Potzel, sei in die katarische Hauptstadt Doha gereist, wo US-Vertreter mit Taliban-Repräsentanten im Gespräch sind, sagte Maas. Der Diplomat wolle in seinen Gesprächen in Doha darauf hinwirken, "dass auch Ortskräfte sich an den Flughafen begeben können und auch ausgeflogen werden können."

"Wir werden aber diese 180 Personen, die im Flughafen sind, mit den Maschinen, die zur Verfügung stehen, auf jeden Fall heute noch ausfliegen können." Für Mittwoch seien zudem zwei weitere Flüge geplant, so Maas weiter.

Kooperation mit den USA

Es sollen zudem auch ausländische Maschinen weiter genutzt werden, etwa US-Flieger, um Deutsche in Sicherheit zu bringen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, sollte eine dauerhafte Luftbrücke, in Abstimmung etwa mit der US-Regierung, zustande kommen, könnten auch mehr Transportkapazitäten bereitgestellt werden.

Derzeit sichern hauptsächlich US-Soldaten den Flughafen in Kabul. Nach Angaben des Weißen Hauses sind dort inzwischen etwa 3500 Soldaten im Einsatz. Das Verteidigungsministerium in Washington erklärte, die Zahl werde im Tagesverlauf auf rund 4000 ansteigen. In einigen Tagen sollen es dann bis zu 6000 Soldaten sein.

Suche nach weiteren Helfern

Die Bundesregierung sucht derweil noch nach afghanischen Helfern, die das Land noch nicht verlassen konnten. Laut Kanzlerin Angela Merkel seien von den Ortskräften der Bundeswehr und Bundespolizei sehr viele Personen bereits in Deutschland. Nun versuche man Kontakt zu den rund 1000 Ortskräften im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit herzustellen, die aber teilweise nicht in Kabul seien. Dazu kämen die Helfer von Nichtregierungsorganisationen.

Der Grund, warum man diese zunächst nicht auf der Liste der zu Evakuierenden hatte, sei die Annahme gewesen, dass man die Entwicklungszusammenarbeit nach dem Abzug des Militärs zunächst fortsetzen könne, sagte Merkel. Dies sei nun nicht mehr möglich.

Über dieses Thema berichtete Antenne Brandenburg am 17. August 2021 um 19:00 Uhr.