Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe hebt auf dem Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover ab (Archivbild). | dpa

Afghanistan Nur sieben Menschen an Bord des Bundeswehrflugs

Stand: 17.08.2021 08:29 Uhr

Ein Transportflugzeug der Bundeswehr hat die ersten deutschen Staatsangehörigen von Kabul nach Usbekistan gebracht. An Bord befanden sich jedoch nur sieben Menschen - deutlich weniger als geplant.

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat die Bundeswehr eine erste Gruppe von Menschen aus der Hauptstadt Kabul in Sicherheit gebracht. Ein A400M-Transportflugzeug startete in der Nacht in Richtung Taschkent in Usbekistan, so das Bundesverteidigungsministerium. Bundeswehr-Soldaten blieben vor Ort in Kabul, um weitere Evakuierungsflüge vorzubereiten.

Wie der CDU-Außenpolitiker Johann Wadephul im Deutschlandfunk bestätigte, befanden sich allerdings lediglich sieben Menschen an Bord des Flugzeugs. Man habe nur einen Slot von 30 Minuten für die Maschine gehabt. "Und wir konnten nur die mitnehmen, die jetzt da waren", so Wadephul. "Es wäre auch unverantwortlich gewesen, mehr dort jetzt schon zum Flughafen zu bringen, weil gar nicht sicher war, dass die Maschine landen konnte."

Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet, dass ursprünglich mindestens 57 Botschaftsangehörige und 88 weitere deutsche Staatsbürger mit der Luftwaffen-Maschine in Sicherheit gebracht werden sollten. 

Bundeswehrflugzeug wartete stundenlang auf Landegenehmigung

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von äußerst schwierigen Umständen. "Wir haben eine sehr unübersichtliche, gefährliche, komplexe Situation am Flughafen, vor allen Dingen durch die Menschenmengen", sagte die CDU-Politikerin im ARD-Morgenmagazin. "Wir haben es gestern geschafft, in einer wirklich halsbrecherischen Landung unsere Maschine zu Boden zu bringen. Wir haben vor allen Dingen Soldaten dorthin gebracht, die jetzt absichern, damit die Leute, die wir rausfliegen wollen, auch überhaupt die Möglichkeit haben, zum Flugzeug zu kommen. Das war gestern der Hauptauftrag", so die Ministerin.

Wegen der chaotischen Lage auf dem Flughafen Kabul hatte sich die Evakuierungsmission der deutschen Luftwaffe zuvor stundenlang verzögert. Der A400M kreiste nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam lange über Kabul, weil er zunächst vergeblich auf eine Landegenehmigung wartete. Das Flugzeug musste dann noch zum Tanken in ein Nachbarland fliegen. Das US-Militär hatte nach einem Ansturm Tausender Menschen den Flugverkehr vorübergehend ausgesetzt. Erst am Abend wurde der Flughafen wieder freigegeben.

Bis gestern Nachmittag hatten sich vier Luftwaffen-Maschinen auf den Weg nach Kabul gemacht. Die Luftwaffe will eine Luftbrücke zwischen Kabul und Taschkent einrichten. Deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte sollen zunächst in die Hauptstadt Usbekistans ausgeflogen und dann mit Charterflugzeugen nach Deutschland gebracht werden.

Kramp-Karrenbauer will bis zu 600 Soldaten bereitstellen

Um die Evakuierungsmission abzusichern, will Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bis zu 600 Bundeswehrsoldaten bereitstellen. Das sagte die CDU-Politikerin in der Unterrichtung der Fraktionsvorsitzenden des Bundestags, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm. Neben den speziell für solche Einsätze ausgebildeten Fallschirmjägern der Division Schnelle Kräfte sollen beispielsweise auch Feldjäger und Sanitäter zum Einsatz gekommen.

Kramp-Karrenbauer sagte, die Bundeswehr wolle ihre Luftbrücke so lange wie möglich aufrechterhalten, "um so viele Menschen wie möglich herauszuholen". Das Bundeskabinett will Morgen ihren Mandatsentwurf beschließen, der Bundestag soll in der kommenden Woche darüber entscheiden. Darin könnten die 600 Soldaten als Obergrenze festgeschrieben werden.

Kramp-Karrenbauer hat die Bundeswehr darauf eingestellt, dass es sich um einen gefährlichen Einsatz handeln wird. Alle bewaffneten Auslandseinsätze der Bundeswehr bedürfen der Billigung des Bundestags. Eine Zustimmung erst nach Beginn eines Einsatzes - wie in diesem Fall - ist aber in Ausnahmefällen möglich.

Zivilisten drängen sich in US-Flugzeug

Ein Flugzeug der US-Luftwaffe brachte einem Medienbericht zufolge mit einem einzigen Flug rund 640 afghanische Zivilisten in Sicherheit. Die Internetseite "Defense One" veröffentlichte ein Foto des vollgepackten Innenraums der Transportmaschine vom Typ C-17, in dem die Afghanen auf dem Boden sitzen - der vor lauter Menschen nicht mehr zu sehen ist.

"Defense One" berichtete, panische Afghanen hätten sich in Kabul über die halboffene Rampe ins Flugzeug gezogen. Die Besatzung habe sich entschieden zu fliegen, statt die Menschen wieder von Bord zu zwingen. Aus Sicherheitskreisen habe es geheißen, nach der Landung in Katar seien 640 Zivilisten aus der Maschine ausgestiegen. Nach Angaben des Herstellers Boeing ist die riesige Frachtmaschine eigentlich für bis zu 134 Passagiere ausgelegt.

Das US-Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht zunächst nicht. Zuvor war es bereits zu dramatischen Szenen am Flughafen gekommen. Afghanen, die vor den Taliban fliehen wollten, rannten auf das Flugfeld, um in Sicherheit gebracht zu werden. Medienberichten zufolge starben mehrere Menschen, als sie von dem Flugzeug überrollt wurden oder herunterfielen.

US-Soldaten töteten außerdem zwei bewaffnete Männer in der Menge, die ihre Waffen "auf bedrohliche Weise geschwungen" hatten, wie ein Pentagon-Vertreter erklärte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. August 2021 um 07:00 Uhr in den Nachrichten.