Ein afghanisches Mädchen wärmt sich die Hände, während es sich vom Wassertragen ausruht (Archivbild).  | dpa

Internationale Geberkonferenz Was Deutschland für Afghanistan tut

Stand: 31.03.2022 07:16 Uhr

Afghanistan befindet sich nach der Taliban-Machtübernahme in einem katastrophalen Zustand. Noch immer warten ehemalige Ortskräfte der Deutschen auf ihre Ausreise. Was tut die Bundesregierung, um die Not der Menschen zu lindern?

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Es bleibt ein schwieriger Balanceakt: Wie lässt sich die Not der Afghaninnen und Afghanen lindern, ohne dass die Taliban-Extremisten finanziert werden. Das ist die Schlüsselfrage, auf die auch die Bundesregierung tagtäglich Antworten finden muss: Insgesamt hat Deutschland seit der Machtübernahme der Extremisten rund 600 Millionen Euro an humanitärer Hilfe bewilligt.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Das Auswärtigen Amt betont, die Hilfe werde direkt durch unabhängige Organisationen geleistet, sodass ausgeschlossen sei, "dass die Mittel an das Taliban-Regime gehen".

Dramatische Hungerkrise in Afghanistan

Trotz der Gelder: Die Welthungerhilfe warnt vor einer nochmaligen Verschärfung der ohnehin schon "dramatischen Hungerkrise" in Afghanistan. 95 Prozent der Bevölkerung könnten sich nicht mehr ausreichend ernähren. In ihrer Not würden Familien Mädchen schon jung verheiraten, die Kinderarbeit nehme zu.

Erst vor wenigen Tagen hatten die Taliban international für Empörung gesorgt, weil sie die ursprüngliche Ankündigung spontan zurücknahmen, Mädchen wieder den Besuch von weiterführenden Schulen zu erlauben.

Die Hilfsorganisation World Vision fordert von der Geberkonferenz, die neben Deutschland auch Katar und Großbritannien ausrichten, Frauen und Mädchen besonders in den Blick zu nehmen, und rät der internationalen Gemeinschaft, Afghanistan eingefrorene Bankvermögen zurückzugeben. Das ist umstritten, weil das die Sanktionen gegen die Islamisten unterlaufen würde.

Bald wieder diplomatische Vertretung in Kabul?

Seit die Taliban nach dem überstürzten Abzug der internationalen Truppen im August 2021 die Macht übernahmen, hat sich die Not der Menschen dramatisch verschlimmert. Anzeichen dafür, dass die Extremisten in der Lage sind gegenzusteuern, gibt es nicht.

Trotz allem versuchen Deutschland und andere Staaten, mit den Taliban im Gespräch zu bleiben. Die Bundesregierung bemüht sich, im Verbund mit europäischen Partnern darum, wieder eine diplomatische Vertretung in Kabul zu öffnen. Das erfuhr das ARD-Hauptstadtstudio aus Regierungskreisen.

Ortskräfte warten auf Ausreise - noch immer

Mit den Extremisten zu reden, ist offensichtlich auch deshalb nötig, weil es weiter gilt, Schutzbedürftige Afghaninnen und Afghanen außer Landes zu bringen. Was ehemalige Ortskräfte betrifft, also Menschen, die den Deutschen zum Beispiel als Übersetzer der Bundeswehr halfen, so sind seit der Taliban-Machtübernahme 2908 von ihnen in Deutschland eingereist. Rechnet man die Familienangehörigen hinzu, sind das mehr als 13.190 Afghaninnen und Afghanen, wie das Bundesinnenministerium dem ARD-Hauptstadtstudio mitteilte.

Das sind zwar deutlich mehr als vor sechs Wochen. Noch immer aber warten viele händeringend und in Lebensgefahr schwebend auf eine Ausreise.   

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2022 um 05:28 Uhr.