Frauen in Afghanistan | AP

Taliban-Erlass in Afghanistan Frauen müssen ihr Gesicht verhüllen

Stand: 07.05.2022 13:38 Uhr

Nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan hatten die Taliban eine moderate Regierung angekündigt - ein leeres Versprechen, wie vor allem Frauen schnell zu spüren bekamen. In der Öffentlichkeit müssen sie nun mindestens Kopf und Gesicht bedecken.

Die radikal-islamischen Taliban haben die Rechte von Frauen in Afghanistan weiter eingeschränkt: So ordnete Taliban-Chef Hibatullah Achundsada an, dass Afghaninnen in der Öffentlichkeit mit Ausnahme der Augen auch ihr Gesicht verhüllen müssen. Dazu müssen Frauen künftig stets mindestens den Hidschab tragen. In Europa wird unter dem Kleidungsstück zwar lediglich das islamische Kopftuch verstanden, gemeint sein kann aber auch die zusätzliche Verschleierung des Gesichts oder des restlichen Körpers.

Grundsätzlich empfahl Achundsada den Frauen wieder das Tragen der Burka, einer Ganzkörperbedeckung - "da dies traditionell und respektvoll" sei. Eine Burka bedeckt auch die Augen der Trägerin mit einer Art Gitter aus Stoff.

Strafen vorgesehen

Bei den neuen Vorgaben handelt es sich um eine der bislang striktesten Einschränkungen für das Leben afghanischer Frauen seit der erneuten Machtübernahme der radikalen Islamisten im vergangenen August. "Jene Frauen, die nicht zu alt oder zu jung sind, müssen gemäß den Scharia-Richtlinien ihr Gesicht mit Ausnahme der Augen bedecken", hieß es. Auf diese Weise sollten "Provokationen" in der Begegnung mit Männern vermieden werden, die keine engen Verwandten sind. Der neue Erlass sieht auch Strafen für Verstöße gegen die neue Kleiderordnung vor.

Im Februar hatten die Taliban bereits weibliche Regierungsangestellte verpflichtet, den Hidschab zu tragen. Sollten sie das nicht tun, sei ihnen zu kündigen, hieß es damals in einer Anordnung des zuständigen Ministeriums. An Taxifahrer erging die Anweisung, Frauen ohne Hidschab nicht zu befördern.

Viele Freiheiten von Frauen beschnitten

Kurz nach ihrer Machtübernahme im August vergangenen Jahres hatten die Taliban eine moderate Regierung versprochen. In den vergangenen Monaten wurden jedoch zahlreiche Freiheiten von Frauen beschnitten. Die weiterführenden Schulen für Mädchen wurden zunächst geöffnet, nach wenigen Stunden aber wieder geschlossen. Zehntausende Frauen, die für die Regierung gearbeitet hatten, verloren ihre Jobs. Frauen dürfen das Land zudem nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten verlassen.

Mit vielen der neuen Regelungen gefährden die Taliban den Erhalt von Hilfsgeldern aus dem Ausland, die angesichts der Wirtschaftskrise dringend benötigt werden. Die internationale Gemeinschaft forderte die Taliban unter anderem dazu auf, die Schulen wieder zu öffnen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Mai 2022 um 12:50 Uhr.