Taliban auf Patrouille in Kabul. | EPA

Amnesty-Bericht "Taliban demontieren Menschenrechte"

Stand: 21.09.2021 12:33 Uhr

Seit ihrer Machtergreifung seien die radikalislamischen Taliban dabei, die Errungenschaften bei den Menschenrechten in Afghanistan zu demontieren, kritisiert Amnesty International. Zivilisten würden gezielt getötet werden.

Amnesty International beklagt gezielte Menschenrechtsverletzungen durch die radikalislamischen Taliban in Afghanistan. Seit ihrer Machtergreifung vor knapp fünf Wochen seien die Taliban dabei, die Errungenschaften der vergangenen 20 Jahre im Bereich der Menschenrechte zu demontieren, erklärte die Organisation.

Gemeinsam mit der Internationalen Föderation für Menschenrechte und der Weltorganisation gegen Folter hat Amnesty International nach eigenen Angaben viele Menschenrechtsverletzungen dokumentiert, darunter gezielte Tötungen von Zivilistinnen und Zivilisten und sich ergebenden Soldaten. Taliban-Kämpfer prügelten demnach auch auf Demonstranten ein. Fotos und Zeugenberichte dokumentieren die Verletzungen von Folteropfern.

Auch die Rechte von Frauen, die Meinungsfreiheit und die Zivilgesellschaft seien erneut eingeschränkt worden. Es gebe regelmäßige Drohanrufe und Drohbesuche der Taliban bei Menschenrechtlern und Journalisten, heißt es in dem Bericht. Zeugen berichteten von Anweisungen der Taliban an afghanische Journalisten, nur noch in Übereinstimmung mit islamischen Gesetzen zu berichten, und von Arbeitsverboten für Frauen. 

Amnesty fordert Bund zum Handeln auf

Der Bericht dokumentiere das "Klima der Angst" unter Menschenrechtlern, Journalisten und Frauen, erklärte die stellvertretende Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Julia Duchrow.

Duchrow forderte die Bundesregierung auf, "alles in ihrer Macht Stehende" zu tun, um "durch die Taliban gefährdeten Menschen" Schutz in Deutschland zu ermöglichen. "Sie muss die Betroffenen jetzt schnell über die vergangene Woche beschlossenen 2600 Aufnahmezusagen informieren, sie bei der Ausreise aus Afghanistan unterstützen und sicherstellen, dass die Botschaften der Nachbarländer mit Hochdruck Visaverfahren durchführen und die Menschen von dort evakuiert werden können", so Duchrow.

Der Bericht basiert auf Interviews mit Betroffenen und einer Auswertung von Fotos, Videos, Satellitenbildern und Medienberichten aus der Zeit nach der Machtübernahme der Taliban Mitte August. 

Nach ihrer Machtübernahme hatten die radikalislamischen Taliban unter anderem versprochen, ehemaligen Regierungsmitarbeitern Straffreiheit zu gewähren sowie Frauenrechte unter dem islamischen Gesetz zu achten. Zudem hatten sie angekündigt, dass Journalisten und Journalistinnen ihrer Arbeit weiterhin nachgehen dürften.

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