Tausende harren vor dem Flughafen in Kabul aus  | AFP

Afghanistan Lage am Flughafen spitzt sich zu

Stand: 21.08.2021 22:02 Uhr

Die Situation am Kabuler Flughafen ist weiterhin äußerst chaotisch. Immer wieder wird der Zugang gesperrt. Die Deutsche Botschaft rief dazu auf, zu Hause zu bleiben. Auch die Evakuierungsflüge der Bundeswehr sind zeitweise ins Stocken geraten.

In Afghanistan bleibt die Sicherheitslage am Kabuler Flughafen äußerst angespannt. Der Zugang zum Flughafen sei aufgrund der gefährlichen Lage häufig nicht möglich, twitterte das Auswärtige Amt. "Nach unserem Kenntnisstand sind die Gates derzeit geschlossen."

Auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, sprach von einer "schwierigen" und "dynamischen" Situation insbesondere vor den Toren des Airports. Es gebe deshalb immer wieder Gate-Schließungen. Die afghanische zivile Luftfahrtbehörde machte deutlich, dass es weiter keine zivilen und kommerziellen Flüge geben werde.

Angesichts der unübersichtlichen Situation riefen sowohl die deutsche als auch die US-Botschaft ihre Bürger dazu auf, nicht zum Flughafen zu kommen. "Derzeit ist es grundsätzlich sicherer, zu Hause oder an einem geschützten Ort zu bleiben", schrieb die deutsche Botschaft.

Schüsse in die Luft und Peitschenhiebe

Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad harren derzeit Tausende Menschen vor dem Flughafen aus. Es herrschen chaotische Zustände. Augenzeugen berichten von Schüssen von Sicherheitskräften in die Luft oder dem Einsatz von Tränengas. Taliban sollen Menschen zudem mit Peitschen schlagen.

Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass sich Menschen aus allen Gesellschaftsschichten am Flughafen befänden. Er habe Schauspieler in der Menge gesehen, bekannte Fernsehpersönlichkeiten, Jugendliche, Frauen mit neugeborenen Babys oder Menschen im Rollstuhl. Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf eine "informierte Quelle", dass rund 14.000 Menschen am Flughafen seien.

Trotz der schwierigen Situation würden die Evakuierungen auch heute fortgesetzt, erklärte das Auswärtige Amt. Weitere Maschinen der Bundeswehr, die Menschen aus Kabul über die Luftbrücke ins usbekische Taschkent bringen sollen, seien im Einsatz.

Seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban vor knapp einer Woche hat die Bundeswehr eigenen Angaben zufolge mehr als 2130 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Nachdem wegen der chaotischen Zustände die ersten beiden Evakierungsflüge am Samstag lediglich 15 Menschen nach Taschkent bringen konnten, startete am Nachmittag in Kabul eine Maschine mit 205 Schützbedürftigen. Der nächste Flieger am Abend hob allerdings mit gerade 20 Menschen ab. Die Lage in Kabul gestalte sich weiterhin schwierig, so die Bundeswehr.

Bundeswehr verlegt Helikopter nach Kabul

Zur Unterstützung der Rettungsaktion hat die Bundeswehr inzwischen zwei Hubschrauber nach Kabul verlegt, um mehr Möglichkeiten bei den Evakuierungen zu haben. Die wendigen Helikopter kamen am Morgen in Kabul an und sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums einsatzbereit. Es sei geplant, damit in Kabul "kleinere Gruppen zu Evakuierender im Stadtgebiet aufzunehmen und sicher zum Flughafen zu transportieren", teilte die Bundeswehr mit. Informationen über konkrete Einsätze gab es zunächst nicht. Die Hubschrauber können nach Angaben von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer nur in Abstimmung mit den Amerikanern und den anderen Partnerstaaten vor Ort eingesetzt werden.

Kramp-Karrenbauer sicherte zu, dass die Bundeswehr die Evakuierung von Deutschen und Ortskräften aus Kabul unter Hochdruck fortsetzen werde. "Die Situation ist schwierig, aber wir werden mit den Möglichkeiten und allem, was sich vor Ort ergibt, weiter dranbleiben, so viele wie möglich herauszuholen", sagte Kramp-Karrenbauer in Berlin.

Taliban-Mitbegründer als Regierungschef gehandelt

Unklar ist weiterhin, wie genau die künftige Taliban-Führung in Afghanistan aussehen soll. Zu Gesprächen über die Regierungsbildung reiste Taliban-Mitbegründer Mullah Abdul Ghani Baradar nach Kabul. Baradar wird als möglicher neuer Regierungschef der Taliban gehandelt. 

Beamte der bisherigen Regierung berichteten derweil, sie seien von Taliban-Kämpfern von der Arbeit abgehalten worden. Der Beamte Hamdullah sagte, vor seinem Büro stationierte Taliban-Kämpfer hätten ihm gesagt, er solle "im Fernsehen oder Radio verfolgen, wann ich zur Arbeit zurückkehren soll". Es ist weitgehend unklar, wie die Islamisten dieses Mal herrschen werden. Es wird befürchtet, dass die Extremisten wieder ein islamisches "Emirat" errichten wollen und dabei mit drakonischen Strafen gegen Andersdenkende vorgehen.  

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. August 2021 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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logig 21.08.2021 • 21:06 Uhr

an fathaland slim um 18:34

">>Diese verkorkste Sache hätte zu Rücktritten führen MÜSSEN.<< Und was hätte das geändert?" Es hätte dabei geholfen, zu vermeiden, dass der Begriff "politische Verantwortung" zu einer leeren Worthülse wird.