Die Trägerrakete "Langer Marsch 5B Y3" hebt vom Wenchang Space Launch Center in China ab. | dpa

NASA kritisiert Kommunikation Chinesische Rakete stürzt über Südostasien ab

Stand: 31.07.2022 09:21 Uhr

Die USA haben den Absturz einer chinesischen Weltraum-Rakete über dem Indischen Ozean gemeldet. Erst später räumte China ein, die Trümmer seien in Südostasien ins Meer gestürzt. Die NASA kritisierte die zögerliche Kommunikation.

Eine chinesische Rakete ist nach US-Angaben unkontrolliert aus dem Weltraum abgestürzt. Die Rakete "Langer Marsch 5B" sei über dem Indischen Ozean in die Erdatmosphäre eingetreten, teilte die Weltraum-Abteilung der US-Armee auf Twitter mit. Nähere Angaben machte das US Space Command nicht. Über mögliche Trümmerteile und den Ort des Aufpralls müsse die chinesische Regierung informieren.

Einschlag vor der philippinischen Küste

In einer Erklärung gab die chinesische Weltraumbehörde später die Koordinaten für das Einschlagsgebiet an. Demnach stürzte die Rakete in der Sulu-See ab, knapp 60 Kilometer vor der Ostküste der philippinischen Insel Palawan. "Die meisten Bauteile wurden beim Wiedereintritt abgetragen und zerstört", hieß es in der Erklärung.

Die malaysische Raumfahrtbehörde teilte mit, sie habe Raketentrümmer beobachtet, die beim Wiedereintritt in die Atmosphäre in Brand geraten seien, bevor sie in die Sulu-See nordöstlich der Insel Borneo stürzten.

Auf unverifizierten Aufnahmen im Internet war ein Feuerball am Himmel zu sehen.

Kritik vom NASA-Chef

Zuvor hatte es heftige Kritik am Vorgehen Chinas gegeben. NASA-Chef Bill Nelson warf der Regierung in Peking vor, es sei unverantwortlich und riskant, keine Informationen über die Flugbahn der Rakete zu veröffentlichen. "Alle Raumfahrtnationen sollten sich an bewährte Praktiken halten und ihren Teil dazu beitragen, diese Art von Informationen im Voraus weiterzugeben", schrieb er auf Twitter.

Insbesondere bei Raketen wie "Langer Marsch 5B" bestehe durch Trümmerteile ein "erhebliches Risiko für den Verlust von Menschenleben und Eigentum". 

Raketentrümmer waren erwartet worden

Die Einschlag der Raketentrümmer auf der Erde war von Fachleuten erwartet worden. Das Zentrum für Wiedereintritt-Studien (CORDS) der Aerospace Corporation in Kalifornien hatte den Wiedereintritt von "Langer Marsch 5B" zwischen dem Nachmittag und dem späten Abend angenommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen oder besiedelte Gebiete von der Rakete getroffen werden, war demnach äußerst gering. 

Dennoch wurde China bereits zuvor von der NASA dafür kritisiert, dass die Rakete beim Eintritt in die Atmosphäre nicht in kleinere Teile zerfällt, wie es internationaler Standard sei. Denn anders als bei den meisten Trägerraketen gibt es bei dem von der Volksrepublik verwendeten Typ keinen kontrollierten Wiedereintritt von ausgebrannten Raketenstufen. Die Reste stürzen Tage nach dem Start wieder auf die Erde. Wann genau und wo, ist nicht vorherzusagen.

So waren im Jahr 2020 etwa Trümmer einer chinesischen Rakete über der Elfenbeinküste abgestürzt und hatten in einigen Dörfern Schäden angerichtet.

China baut "Himmelspalast" im All

Mit der Trägerrakete "Langer Marsch 5B" war das unbemannte Modul "Wentian" ins All gebracht worden, das zweite von drei Modulen für die im Bau befindliche chinesische Raumstation "Tiangong" (deutsch: "Himmelspalast"). Chinas Raumfahrtbehörde sprach nach dem Start von einem "vollen Erfolg".

Das neue Modul soll an das Kernmodul "Tianhe" andocken, das im April 2021 ins All gebracht worden war. Danach waren bereits im Mai 2021 Überreste einer dazu genutzten Rakete nahe der Malediven in den Indischen Ozean gestürzt.

Die Raumstation soll gegen Ende des Jahres voll funktionsfähig sein und eine Lebensdauer von zehn Jahren haben. China hat in den vergangenen Jahren Milliardensummen in ihre Raumfahrtprogramme gesteckt, um zu den USA und Russland aufzuschließen. Das Land schickte bereits einen Rover zum Mars und Sonden zum Mond.

Mit Informationen von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Juli 2022 um 10:03 Uhr.