Benny Gantz | AP

Nahost-Konflikt Gantz empfängt Abbas in seinem Privathaus

Stand: 29.12.2021 13:05 Uhr

Erstmals seit Jahren ist Palästinenserpräsident Abbas von einem Vertreter der israelischen Regierung empfangen worden. Verteidigungsminister Gantz traf ihn in seinem Privathaus, um über eine bessere Zusammenarbeit zu beraten.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Es gibt keine offiziellen Fotos von dem Termin. Es gab keinen roten Teppich und kein Blasorchester: Das Treffen zwischen dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas und dem israelischen Verteidigungsminister Benny Gantz lief im Verborgenen ab. Weniger bemerkenswert ist das aber nicht. Im Gegenteil. Gantz lud Abbas sogar in sein Privathaus im Zentrum von Israel ein.

Benjamin Hammer ARD-Studio Tel Aviv

Gespräche über Wirtschaft und Sicherheit

Es war der erste offizielle Termin seit zehn Jahren, den Abbas in Israel wahrnahm. Und erst das zweite ranghohe Treffen seit langer Zeit. Bei den Gesprächen ging es um Wirtschaft und Sicherheit. Israels Regierung gab nach dem Treffen bekannt, den Wohnsitz von 10.000 Palästinensern im besetzten Westjordanland und dem Gazastreifen anzuerkennen.

Außerdem will Israel gegenüber der Palästinensischen Autonomiebehörde von Abbas einen finanziellen Vorschuss leisten. Dabei geht es um Steuern, die Israel für die Palästinenser erhebt. Die Autonomiebehörde ist finanziell und auch gegenüber der eigenen Bevölkerung enorm unter Druck. Israel arbeitet mit ihr zusammen und ist auf diese Kooperation angewiesen. Deshalb will Israel Abbas stärken, auch gegenüber der rivalisierenden Hamas-Bewegung.

Das Treffen zwischen Gantz und Abbas dürfte von Premierminister Naftali Bennett abgesegnet worden sein. Der hatte angekündigt, die Reibungspunkte im Konflikt mit den Palästinensern verringern zu wollen. Einen eigenen, souveränen palästinensischen Staat lehnt Bennett jedoch entschieden ab.

Kritik auch von Regierungspartnern

Manche Mitglieder von Israels neuer Regierung kritisierten das Treffen. Zeev Elkin, Minister der nationalliberalen Partei Neue Hoffnung, sprach mit dem Radiosender 103FM. Er spielte darauf an, dass die Autonomiebehörde Renten an palästinensische Gefangene und ihre Familien zahlt. "Ich würde niemanden in mein Haus einladen, der Mördern von Israelis Gehälter zahlt und hochrangige Offiziere der israelischen Armee ins Gefängnis des Internationalen Strafgerichtshofes bringen will, auch Gantz selbst."

Andere Mitglieder verteidigten das Treffen. Ein enger Vertrauter des palästinensischen Präsidenten verwahrte sich auch gegen palästinensische Kritik, etwa der Hamas. Dieses Treffen sei die letzte Chance, eine Explosion im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu verhindern, sagte er.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 29. Dezember 2021 um 11:35 Uhr.