Metrostation in Japan | AP

Pandemie in Fernost Asien und seine Corona-Strategien

Stand: 23.11.2020 07:48 Uhr

Cluster, Tracking, Maskenpflicht: Asiatische Länder werden hinsichtlich ihrer Corona-Strategie gern als Musterschüler dargestellt. Was sie anders machen als der Rest der Welt - ein Überblick.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Am besten steht immer noch Taiwan da. Seit mehr als einem halben Jahr gibt es dort keine lokalen Corona-Neuinfektionen und insgesamt weniger als 600 Fälle. Gelungen ist das vor allem, weil jeder Ausländer, der ins Land kam, zwei Wochen in kontrollierte Quarantäne musste. Doch die Regierung ist nervös, denn zu Weihnachten und zum chinesischen Neujahr werden Tausende Taiwaner vom Festland nach Hause zurückkehren. Deshalb werden jetzt schon die Regeln verschärft.

Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio

Taiwan: Testpflicht vor Abflug

"Ab 1. Dezember müssen alle Einreisenden, also auch Taiwaner, drei Tage vor Abflug einen Coronatest machen. Nur wenn der negativ ist, können sie von Bord gehen", erklärte jüngst Gesundheitsminister Chen Shih-chung. Ab dann gilt auch im öffentlichen Raum, also in Schulen, Einkaufszentren, im Nahverkehr und vielen anderen Orten: Maske ist Pflicht. Zuwiderhandlung wird in Innenräumen mit umgerechnet bis zu 450 Euro bestraft, draußen soll es bei einer Ermahnung bleiben.

Der Gesundheitsminister setzt jedoch auf die Einsicht der Bürgerinnen und Bürger. "Angesichts der sich weltweit verschlimmernden Pandemie können wir nicht absehen, wo unsere Vorbeugung unterbrochen wird. Das heißt, wir müssen selbst für unseren persönlichen Schutz sorgen. Vielerorts läuft es sehr gut mit dem Masketragen. Aber an einigen Stellen sind die Menschen auch nachlässig. Wir hoffen, dass jetzt durch die künftige Pflicht wieder mehr Leute eine Maske aufsetzen."

Sie zu tragen, sei ebenso wie regelmäßiges Händewaschen, die beste Vorbeugung, um sich nicht mit dem Virus zu infizieren, so Chen. Überall steht zudem Desinfektionsmittel und wird Fieber gemessen.

Südkorea setzt aufs Tracking

Erfolgreich ist auch Südkorea, das einen ähnlichen Weg wie Taiwan geht. Es hat zwar immer wieder mit lokalen Ausbrüchen zu kämpfen, setzt aber weiterhin aufs sogenannte Tracking.

Konsequent werden Menschen aufgespürt, die sich an einem Infektionsherd aufgehalten haben. Anschließend werden sie isoliert. "Es mag sein, dass einiges an unserem Tracking-System in westlichen Ländern Befremden auslöst. Aber bei uns hat jeder ein Smartphone und die IT-Industrie ist sehr fortschrittlich, so dass wir in manchen Gegenden über einen Transponder jedes Smartphone ausfindig machen können. Das ist angsteinflößende Realität. Und diese Informationen sollten deshalb nur für Infektionskrankheiten wie diese genutzt werden", sagte der Gouverneur der Metropolregion von Seoul, Lee Jae-Myung, diesen Sommer.

Die Nachverfolgung läuft unter anderem über GPS- und Kreditkartendaten sowie Kameras. Darüber hinaus testet Südkorea bei einem Ausbruch sehr schnell und viel.

Japans Clusterstrategie

Das macht Japan ein bisschen anders. Getestet wird nach wie vor relativ wenig. Lange war das Land mit seiner sogenannten Clusterstrategie erfolgreich. Das bedeutet einfach gesagt: Hat sich jemand infiziert, wird nach dem Ursprungsherd gesucht. Handelt es sich um einen Ort mit vielen Menschen, wie zum Beispiel eine Karaokebar, werden dort alle Beteiligten isoliert, egal, ob sie sich mit dem Virus infiziert haben oder nicht.  

Doch seit Tagen gehen nun auch in Japan die Infektionszahlen nach oben, wie Tokios Gouverneurin Yuriko Koike einräumen musste. "Wir verzeichnen einen deutlichen Anstieg an neuen Fällen und an solchen, die wir nicht nachverfolgen können. Die Experten haben deshalb die höchste Warnstufe ausgerufen und das heißt: Das Virus breitet sich aus."

Aktuell sind in Japan rund 20.000 Menschen an dem Virus erkrankt. Das ist zwar wenig im Vergleich zu vielen anderen Ländern, aber auch hier merkt man: Die Menschen sind müde von Corona. Zwar hält man sich im Supermarkt und im öffentlichen Raum an die Regeln - also Abstand halten, Maske tragen, Hände desinfizieren. Aber kaum kommt man ins Innere einer Kneipe, heißt es oft: Maske ab und hoch die Tassen. 

Shigeru Omi, Vorsitzender eines Expertengremiums, das die Regierung beim Umgang mit Corona berät, warnt vor der aktuellen Entwicklung. "Wenn sich die Infektion weiter ausbreitet, kann man nichts mehr dagegen unternehmen. Jetzt ist die letzte Chance, die Ausbreitung zu stoppen."

In allen drei Ländern setzen die Regierungen nicht zuletzt auf die Vernunft der Menschen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. November 2020 um 08:30 Uhr.