Asia Bibi | Bildquelle: BIBI FAMILY/HANDOUT/EPA-EFE/REX/

Nach Protesten von Islamisten Freispruch gegen Christin wird geprüft

Stand: 03.11.2018 13:50 Uhr

Nach der Aufhebung der Todesstrafe gegen die Christin Asia Bibi hatten Islamisten in Pakistan seit Tagen demonstriert. Nun haben sie sich mit der Regierung geeinigt: Ein Revisionsverfahren wird geprüft und Bibi muss im Land bleiben.

Nach einer Einigung zwischen Islamisten und der Regierung sind in Pakistan die Proteste gegen den Freispruch einer Christin zu Ende gegangen. Beide Seiten verständigten sich in der Nacht darauf, dass Asia Bibi das Land nicht verlassen darf, bis die Entscheidung des Obersten Gerichts des Landes überprüft wurde.

Laut der Vereinbarung "wird die Regierung sich einem Revisionsantrag gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts zum Freispruch Asia Bibis nicht widersetzen", teilte der Sprecher der radikalislamischen Gruppe Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) mit. Zudem würden Schritte eingeleitet, "Bibi am Verlassen des Landes zu hindern".

Wo sich die Frau derzeit aufhält, ist nicht bekannt. Es könnte laut Medienberichten sein, dass sie bereits außerhalb des Landes geflohen sei.

Anwalt hat das Land verlassen

Ihr Anwalt Saiful Malook hat Pakistan aus Sorge um sein Leben am Morgen verlassen. "Unter den aktuellen Umständen ist es mir nicht möglich, in Pakistan zu leben", sagte er, bevor er in ein Flugzeug nach Europa stieg.

Saif-ul-Mulook | Bildquelle: AFP
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Aus Angst um sein Leben soll Saif-ul-Mulook Pakistan verlassen haben. (Archivbild)

Er müsse am Leben bleiben, "weil ich weiter vor Gericht für Asia Bibi kämpfen muss", erklärte der 62-Jährige. "Auch die Sicherheit meiner Familie ist erheblich bedroht." Um seine Mandantin vor Gericht zu verteidigen, werde er aber zurückkehren, wenn das Militär ihm Sicherheit gewähre.

"Bankrott-Erklärung des Rechtsstaates"

Menschenrechtler kritisierten die Vereinbarung als "Bankrott-Erklärung des Rechtsstaates". "Der Deal macht Pakistans Rechtssystem zur Beute des islamistischen Mobs." Wenn das Oberste Gericht Recht gesprochen habe, dürfe die Regierung nicht zulassen, dass Islamisten die Rechtsprechung aushebelten, sagte der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius, in Göttingen.

Ausgebrochen waren die Straßenproteste am Mittwoch, nachdem die wegen Blasphemie verurteilte Christin Asia Bibi nach acht Jahren in der Todeszelle vom Obersten Gerichtshof in Islamabad freigesprochen worden war. Der heute 51-jährigen Bibi war vorgeworfen worden, sich bei einem Streit mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben.

Männer protestieren in Lahore in Pakistan | Bildquelle: BILAWAL ARBAB/EPA-EFE/REX/Shutte
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Tagelang hatten Islamisten in Pakistan demonstriert.

TLP forderte Hinrichtung Bibis

Die fünffache Mutter war 2009 festgenommen und im Jahr darauf nach einem umstrittenen Blasphemiegesetz in dem vorwiegend muslimischen Land zum Tode verurteilt worden. Nach der Aufhebung des Todesurteils hatte die TLP die Entlassung der Richter und eine Hinrichtung Bibis gefordert.

Über dieses Thema berichtete am 03. November 2018 die tagesschau um 12:00 Uhr und Deutschlandfunk um 12:00 Uhr in den Nachrichten.

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