Asia Bibi | Bildquelle: BIBI FAMILY/HANDOUT/EPA-EFE/REX/

Wegen Blasphemie verurteilt Todesstrafe gegen Asia Bibi aufgehoben

Stand: 31.10.2018 18:20 Uhr

Asia Bibi war die erste Frau in Pakistan, die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt wurde. Nun hob das Oberste Gericht das Urteil gegen die Christin auf. Nicht alle sind darüber froh.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Es ist ein mutiges Urteil - darin sind sich Beobachter in Pakistan einig. Das Oberste Gericht in Pakistan habe den Islamisten die Stirn geboten, sagen die einen. 

Männer protestieren in Lahore in Pakistan | Bildquelle: RAHAT DAR/EPA-EFE/REX/Shuttersto
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Nach der Aufhebung des Todesurteils protestierten Männer in Lahore gegen die Freilassung.

Andere, darunter viele Islamisten im Land, sehen das ganz anders. Sie haben heute schon Straßen lahmgelegt mit ihren Protesten. Sie rufen: "Gott ist groß!" Die einzige Strafe für Gotteslästerung sei der Tod durch den Strick. Für sie ist das heutige Urteil kein Meilenstein in der pakistanischen Rechtsprechung, sondern ein klares Fehlurteil. "Das Gericht hat sie freigesprochen, dabei hätte es bestätigen sollen, dass sie eine Straftat begangen hat. Es ist absolut ungerechtfertigt, dass das Gericht so entschieden hat", sagt einer von ihnen.

Asia Bibi war die erste Frau in Pakistan, die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden war. Vor neun Jahren hatten muslimische Frauen aus ihrem Dorf gegen die Christin ausgesagt. Sie habe sich in einem Streit abfällig über den Propheten Mohammed geäußert. Es kam zur Anklage und ein Jahr später folgte das Todesurteil.

Pakistan spricht Christin frei
tagesschau 20:00 Uhr, 31.10.2018, Markus Spieker, ARD Neu Delhi

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Gesetz ist umstritten

International hatte es viele Proteste dagegen gegeben. Auch der Papst hatte sich für das Leben von Asia Bibi eingesetzt. In Pakistan selbst wurden zwei Politiker, die sich für die Christin eingesetzt hatten, ermordet. Kaum einer wagt es seitdem, das umstrittene Blasphemie-Gesetz im Land anzurühren. Es stammt noch aus der Kolonialzeit, die Briten hatten es eingeführt. Auch der Premierminister von Pakistan, Imran Khan, hatte in einem Interview mit dem ARD-Studio Südasien das Gesetz verteidigt:

"Die Briten haben das Gesetz erlassen, damit die Menschen nicht aufeinander losgehen und sich gegenseitig umbringen, wenn es ein Problem mit Gotteslästerung gab. Die Idee dahinter war, dass die Menschen das vor dem Gericht klären sollten."

Blasphemie gilt als Kapitalverbrechen

So ist es bis heute. Blasphemie gilt in Pakistan als Kapitalverbrechen. Aber darüber dürften im Land eben nur Richter urteilen, sagt Khan: "Wenn wir kein Gesetz gegen Gotteslästerung bei uns hätten, würden die Menschen hier einfach andere wegen Gerüchten von Gotteslästerung umbringen und diese Mörder würden nicht verurteilt."

Für die Richter ist es allerdings oft schwer, ganz frei zu entscheiden. Auch in dem Prozess von Asia Bibi sind sie und die Anwälte von Islamisten bedroht worden. Niemand weiß, wo sich die Mutter von mehreren Kindern zurzeit aufhält. Zu groß ist die Angst, dass die Christin, obwohl es das Blasphemie-Gesetz gibt, einfach umgebracht würde. Viele rechnen nun damit, dass sie bald das Land verlassen wird.

Freispruch für Christin Asia Bibi in Pakistan
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
31.10.2018 18:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2018 um 11:00 Uhr.

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