Porträt der ersten EU-Außenministerin Eine Baronin als Überraschung

Stand: 20.11.2009 09:29 Uhr

Eine Antrittsrede hatte sie nicht vorbereitet - denn Catherine Ashton war genauso überrumpelt von ihrer Berufung zur EU-Außenministerin wie viele andere. Doch eines kündigte sie bereits an: Sie wolle mit "stiller Diplomatie" überzeugen.

Von Ralf Borchard, BR-Hörfunkstudio London

Catherine Ashton
galerie

Catherine Ashton, die sozialistische Überraschung

Catherine Ashton ist auch in Großbritannien so gut wie unbekannt. Selbst der EU-Korrespondent des britischen Rundfunks BBC, Gavin Hewitt, sprach von "einer Person namens Catherine Ashton, derzeit britische EU-Kommissarin". Und auch die 53j-ährige selbst ist von ihrem Karriere-Sprung überrascht. "Es ist vielleicht Ausdruck einer gewissen Überraschung, dass ich keine Rede vorbereitet habe", so Ashton beim ersten Auftritt als designierte EU-Außenministerin.

Zu wenig Erfahrung für den Spitzenjob?

Baroness Ashton of Upholland, wie ihr offizieller Titel lautet, hat in London Wirtschaftswissenschaft studiert, war acht Jahre lang in verschiedenen Positionen im Bildungs- und Justizministerium tätig, bevor sie Vorsitzende des Oberhauses, der zweiten Kammer des britischen Parlaments, wurde. Ende 2008 schickte Premierminister Gordon Brown sie als EU-Handelskommissarin nach Brüssel.

Die weibliche Seite der EU

Schon damals gab es Kritik, sie verfüge über zu wenig Erfahrung für einen EU-Spitzenjob. Allerdings wurde ihr bald Einfühlungsvermögen und Verhandlungsgeschick bescheinigt. "Stille Diplomatie", so Ashton, "war der Stil, den ich in den Job als Handelskommissarin gebracht habe, und es wird der Stil sein, in dem ich weitermache."

Sie sei die erste Frau gewesen, die Großbritannien in der EU-Kommission vertritt, die erste weibliche EU-Handelskommissarin, und sie sei ebenso stolz darauf, als Frau erste EU-Außenministerin zu werden, so Ashton.

Briten bleiben skeptisch

Die ersten Reaktionen in Großbritannien sind nicht etwa von Jubel geprägt, dass eine Britin einen der beiden neuen EU-Posten erhält, vielmehr überwiegen Zurückhaltung und Skepsis. "Catherine Ashton ist nie in ihrem Leben in eine Position gewählt worden. Sie wurde stets ernannt: als Vertreterin der Labour-Regierung im Oberhaus, als Handelskommissarin in Brüssel. Und jetzt soll sie nach nur einem Jahr mit dem Fuß in der Tür in Brüssel für 7000 Leute im diplomatischen Dienst der EU verantwortlich sein", sagt Lorraine Mullally vom EU-kritischen Londoner Forschungsinstitut Open Europe. "Es wird weiter Verwirrung herrschen, wer Europa auf der Weltbühne vertritt. Der EU-Präsident? Die EU-Außenministerin? Nicht zu vergessen: Es gibt weiter den EU-Kommissionspräsidenten und 27 Staats- und Regierungschefs und Außenminister", so Mulally weiter. Für den Rest der Welt werde das mehr Verwirrung schaffen, anstatt klarer zu machen, wer für Europa spricht.

Catherin Ashton aber gibt sich selbstbewusst: "Ich schaue nach vorn und nehme die Verantwortung sehr ernst. Ich werde mich auf meine Weise bemühen, das beste für Europa zu tun."

Darstellung: