Bei einem Protest in Instanbul stellen sich die Menschen gegen Armenien | Bildquelle: AP

Wegen Bergkarabach-Konflikt Armenier in der Türkei unter Druck

Stand: 12.10.2020 11:12 Uhr

Die Türkei hat sich im Bergkarabach-Konflikt sehr klar auf der Seite Aserbaidschans positioniert. Menschen mit armenischen Wurzeln im Land sehen sich mit Hass konfrontiert, viele haben Angst.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Rund 60.000 Armenier leben noch in der Türkei, die meisten davon in Istanbul. Auch Mariam ist eine von ihnen. Sie heißt eigentlich anders, will aber ihren wahren Namen nicht nennen - aus Angst. "Die Menschen sprechen selbst in ihren Häusern manches nicht an, oder sie flüstern dann", sagt Mariam. Die Nachbarn oben und unten sollen nichts hören.

"Die Wände sind dünn. Auch der Nachbar nebenan soll nichts mitkriegen. Jeder macht sich Sorgen, ich mir auch", fügt sie hinzu. Und trotzdem spricht sie darüber öffentlich, wenn auch anonym. Viele andere Armenier in der Türkei trauen sich das nicht.

Die Angst armenischer Christen in der Türkei
Europamagazin, 12.10.2020, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Garo Paylan ist Parlamentsabegeordneter der prokurdischen HDP und auch armenischer Christ, ein großer schlanker Mann mit grauem welligem Haar und grauem Vollbart. In seinem schwarzen Anzug mit weißem Hemd wirkt er vornehm, besonnen. Zurückhaltend ist er nicht - auch nicht, wenn es um den Krieg um Bergkarabach geht. Er fordert die türkische Regierung auf, sich für den Frieden einzusetzen. Jetzt wird er bedroht. 

Paylan: "Die Türken tragen eine große Verantwortung"

"Wir müssen unsere Meinung sagen, und das mache ich - im Parlament, auf der Straße oder vor der Presse", sagt Paylan. Die 83 Millionen Menschen in der Türkei trügen eine große Verantwortung. "Sie sollten ihre Stimme gegen diese rassistische Politik erheben", fordert er. "Eine Minderheit wie wir hat sonst keine Chance, sich zu wehren." Und außer seiner Partei, der HDP, sei keine große Stimme zu hören.

Vor über hundert Jahren sind Historikern zufolge mindestens 800.000 armenische Christen Opfer eines Völkermordes geworden. Nicht nur die türkische Regierung, sondern beispielweise auch die größte Oppositionspartei CHP lehnt die Einstufung als Völkermord ab.

"Wir als Armenier wissen seit vier Generationen, was diese rassistische Politik bewirkt", sagt Paylan. "Wenn man in solchen Zeiten Hassreden verbreitet, die vor allem von der Regierung ausgehen, kann das mit Verbrechen aus Hass enden."

Mariam will sich nicht einschüchtern lassen

Auch für Mariam hat die Regierung den Weg für den neuen Hass gegen die Armenier in der Türkei geebnet. Neulich sind Autokorsos mit aserbaidschanischen und türkischen Flaggen durch Istanbuler Viertel gefahren, in denen viele armenische Christen leben. Mariam will sich nicht einschüchtern lassen.

Sie sitzt in einem Istanbuler Straßencafé in einem bunten Sommerkleid. Ihr Dekolleté ziert eine Kette mit einem Kreuz als Anhänger. Viele ihrer Freunde haben das Land verlassen. "Ich gehöre zu denen, die bleiben und kämpfen", sagt Mariam. Zu gehen sei definitiv keine Lösung. "Was passiert, wenn du gehst? Deine Gedanken werden hier sein. Wenn du was bewirken willst, dann hier."

Paylan ist nicht allein

Den Krieg in Bergkarabach verfolgt Mariam über Auslandssender, im türkischen Fernsehen gebe es nur anti-armenische Propaganda, meint sie. Zum Krieg an sich will sie sich nicht äußern. "Wir haben ein gutes Verhältnis zu unseren türkischen Nachbarn. Man hat zusammen gearbeitet, gegessen, wir reden", sagt sie. Aber wenn es um den Armenien-Aserbaidschan-Krieg gehe, würden sie Mariam anders ansehen. "Sie sagen mir, entscheide Dich für eine Seite."

Das will sie aber nicht. Garo Paylan schmerzen die jungen Menschen, die auf beiden Seiten getötet werden. Durch seinen Friedensaufruf sei er zur Zielscheibe geworden, sagt er. "Aber was mich glücklich macht ist, dass auch Millionen hinter mir stehen und mir ihre Solidarität zeigen." Sie hätten gesagt, er sei nicht allein. "Sie haben Unterschriften gesammelt, Presseerklärungen herausgegeben. Mein Telefon klingelt ständig. Und viele sagen mir ihre Unterstützung zu." Er werde sich weiter für Frieden einsetzen, nicht nur für Frieden in Bergkarabach, sondern auch für den in der Türkei.

Armenier wegen Bergkarabach-Konflikt in der Türkei unter Druck
Karin Senz, ARD Istanbul
12.10.2020 09:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Oktober 2020 um 09:52 Uhr.

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