Auf dem Arktischen Ozean am Nordpol schwimmen Eisplatten | dpa

Russischer Vorsitz im Arktischen Rat Klimaschutz und eigene Interessen

Stand: 20.05.2021 10:52 Uhr

Russland übernimmt turnusmäßig den Vorsitz des Arktischen Rates. Offiziell soll es in den nächsten zwei Jahren um Klimaschutz und indigene Völker gehen. Doch Moskau verfolgt noch andere Interessen in der Region.

Russland übernimmt den Vorsitz des Arktischen Rates. Nach zwei Jahren löst es Island an der Spitze ab. Damit geht der Vorsitz an ein Land, das Besitzansprüche für das gesamte Gebiet anmeldet: "Es ist schon lange bekannt, dass dies unser Territorium, unser Boden ist", hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow erst Anfang der Woche gesagt.

Moskau erhebt Anspruch auf 1,2 Millionen Quadratkilometer - insbesondere auf die dort lagernden Rohstoffe wie Öl und Gas. Wie kein anderer Staat ist Russland in der Polarregion präsent. Die Militärbasis Nagurskaja - arktisches Kleeblatt genannt - auf dem Archipel Franz Josef Land wurde modernisiert und verfügt über Radarüberwachung, eine Start und Landebahn für alle Arten von Flugzeugen, auch für atomwaffenfähige strategische Bomber. Luftabwehrraketen sind dort ebenfalls stationiert.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow | dpa

"Unser Territorium, unser Boden": Russlands Außenminister Lawrow. Bild: dpa

Immer wieder russische Manöver

Immer wieder berichtet das Verteidigungsministerium in Moskau von Manövern im Norden. Kürzlich tauchten drei atomar betriebene U-Boote zeitgleich im meterdickem Eis auf. "Wir sind dafür verantwortlich, dass unsere arktische Küste sicher ist", sagte Lawrow. Alles, was Russland in der Arktis tue, sei legitim.

Andere sehen das anders. US-Außenminister Antony Blinken zeigte sich wegen der zunehmenden militärischen Aktivitäten in der Region besorgt. Diese erhöhten das Risiko, dass es zu Unfällen und Missverständnissen kommen könnte. Eine Militarisierung der Arktis müsse verhindert werden.

Es geht um Öl, Gas - und um Schifffahrtsrouten

USA, Russland und China haben seit längerem ein Auge auf die Region im hohen Norden geworfen - vor zwei Jahren wollte der damalige US-Präsident Donald Trump Grönland kaufen, das zu Dänemark gehört. Grund für das Interesse sind neben den Ressourcen auch wirtschaftliche Faktoren, die spätestens seit der Blockade des Suez-Kanals durch ein Containerschiff immer mehr in den Blickpunkt geraten.

Russlands Präsident Wladimir Putin wies vor einem Monat bei einem Treffen der russischen geographischen Gesellschaft darauf hin: "Wir arbeiten immer aktiver an der Wirtschaftserschließung der Arktis: Die Nordost-Passage und der Schiffsverkehr über diese Route. Russland baut die stärkste Eisbrecherflotte der Welt. Denn in den kommenden Jahren könnte diese Route ganzjährig passierbar werden."

Und dies sei schließlich ein Beitrag zum Klimaschutz. Die Fahrtzeit für Frachter auf dem Weg von Shanghai nach Rotterdam verkürze sich über die Nordostpassage entlang der russischen Nordküste von rund 35 Tagen auf 19 Tage, argumentiert Michail Kusnezow, Leiter des russischen Forschungszentrums zur wirtschaftlichen Entwicklung der Arktis. "Wenn man bedenkt, dass der größte Teil unserer Frachter mit Flüssiggas betrieben werden soll, so wäre das ein wesentlicher Beitrag."

2019 keine Abschlusserklärung - wegen den USA

Der Arktische Rat ist das wichtigste Forum zur Zusammenarbeit in der Region rund um den Nordpol - und laut Alexander Wylegschanin vom staatlichen Moskauer Institut für internationale Beziehungen derzeit wahrscheinlich das einzige Gremium weltweit, in dem Regierungen mit unterschiedlichen Interessen weitgehend konstruktiv zusammenarbeiten. Im Fokus stehen dabei insbesondere der Umweltschutz und eine nachhaltige Entwicklung. Der Rat wurde 1996 gegründet. Ihm gehören neben Russland und Island noch die USA, Dänemark, Finnland, Kanada, Norwegen und Schweden an.

Perspektivisch soll es auch wieder eine gemeinsame Abschlusserklärung der Mitgliedsstaaten geben. Die war beim letzten Treffen vor zwei Jahren aufgrund einer Verweigerung der Trump-Regierung erstmals nicht zustande gekommen. Grund dafür war, dass in der Erklärung vor den Folgen des Klimawandels auf die Arktis gewarnt werden sollte.

Die neue US-Regierung unter Präsident Joe Biden ist um deutlich mehr internationale Kooperation und auch um einen entschlossenen Kampf gegen die Klimakrise bemüht. Und auch Russland will sich während seines zweijährigen Ratsvorsitzes mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen. Dabei gehe es besonders um den Schutz der indigenen Völker, heißt es in einem Strategiepapier.

Mit Informationen von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau, zzt. Köln

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Mai 2021 um 13:05 Uhr.