Die argentinische Marine veröffentlichte dieses Foto einer Schraube der "San Juan" auf dem Meeresboden. | Bildquelle: AFP

Verschollenes argentinisches U-Boot Erste Hinweise auf Unglücksablauf

Stand: 18.11.2018 01:33 Uhr

Vor einem Jahr war das argentinische U-Boot ARA "San Juan" mit 44 Menschen an Bord verschwunden. Nun hat die Marine das Wrack geortet - und kann erste Rückschlüsse auf den Ablauf des Unglücks ziehen.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Das Wrack des vor einem Jahr verschwundenen U-Boots ARA "San Juan" liegt 460 Kilometer vor der Küste von Patagonien in gut 900 Metern Tiefe in einer Art Schlucht. Das U-Boot konnte durch Fotos einer Unterwasser-Drohne eindeutig identifiziert werden. Enrique Balbi, Sprecher der argentinischen Marine, deutet auf ein Bild, auf dem der Bugbereich mit den Torpedorohren erkennen ist, ohne die Außenklappen.

Der argentinische  Marine-Sprecher Balbis erläutert, wie sich das Unglück an Bord des U-Boots ARA San Juan zugetragen haben könnte. | Bildquelle: AFP
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Marine-Sprecher Balbis erläutert, wie sich das Unglück an Bord des U-Boots zugetragen haben könnte.

Schiffsschraube im Meeresgrund

"Man erkennt gut, dass die Außenhülle des Schiffbugs hier abgetrennt ist", sagt Balbi. "Womöglich liegt sie im Trümmerfeld. Zu erkennen sei nur der innere Druckkörper. Andere Fotos zeigen die Schiffsschraube des U-Boots, halb im Meeresgrund versunken, und den Turm des U-Boots, der um 90 Grad abgeknickt ist.

Die ARA "San Juan" hatte vor einem Jahr auf der Fahrt von Ushuaia im äußersten Süden Argentiniens in ihren Heimathafen Mar del Plata gemeldet, dass Wasser in das U-Boot eingedrungen sei. Das Seewasser habe einen Kurzschluss ausgelöst. Wenig später registrierten Unterwassermikrofone ein lautes Geräusch in dem betroffenen Seegebiet.

Hinweis auf Implosion

Durch die Fotos wird jetzt etwas deutlicher, was passiert sein muss, auch wenn immer noch nicht klar ist, wie sich das Unglück genau abgespielt hat. Die wichtigste Information sei, dass das Trümmerfeld nur 80 mal 100 Meter groß ist, sagt Balbi. "Das legt nahe, dass das U-Boot erst in der Nähe des Meeresgrunds implodiert und kollabiert ist - auch wenn uns die letzte Gewissheit fehlt. Denn die abgebrochenen Trümmer liegen alle sehr nahe beieinander. Der Bericht weist vor allem auf ein großes Wrackstück hin - den Druckkörper, der aus 33 Millimeter dickem Spezialstahl besteht."

Noch ist aber nicht klar, ob, wie und wann das Wrack gehoben werden kann. Verteidigungsminister Oscar Aguad musste einräumen, dass Argentinien dafür auf internationale Hilfe angewiesen wäre. Der Marine würden die Mittel fehlen, um in diese Tiefe abzutauchen.

Die Angehörigen der 44 Seeleute, die an Bord des U-Boots waren, wurden kurz vor der Öffentlichkeit informiert. Der Vater eines Maschinisten sagt, dass er und die anderen Familien darauf bestehen würden, dass das U-Boot-Wrack geborgen wird. "Wir wollen die Wahrheit erfahren, warum das passiert ist." Die Angehörigen werfen der Regierung vor, Informationen zu verheimlichen.

Angehörige der Besatzungsmitglieder von der "ARA San Juan" demonstrieren. | Bildquelle: dpa
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Die Familien der U-Boot-Besatzung verlangen Aufklärung.

Vorwurf der Schlamperei

Nach wie vor steht der Verdacht im Raum, dass Schlamperei bei der Überholung der ARA "San Juan" vor sieben Jahren eine Rolle gespielt haben könnte. Das U-Boot wurde 1983 in Deutschland gebaut, in den Nordseewerken in Emden. Die Überholung wurde in einer argentinischen Werft durchgeführt. Allerdings waren auch daran zwei deutsche Firmen beteiligt.

Erst am Donnerstag hatte Präsident Macri den Jahrestag des Unglücks bei den Angehörigen verbracht. Es war die letzte Chance, das Boot noch zu finden. Eine groß angelegte internationale Suche verlief vor einem Jahr ohne Ergebnis. Heute sollte das US-amerikanische Spezialschiff die Suche nach der "San Juan" endgültig einstellen.

Argentinien: Wrack des verschwundenen U-Boots im Südatlantik entdeckt
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
17.11.2018 23:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. November 2018 um 06:24 Uhr.

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