Eine Aktivistin in Buenos Aires reagiert auf die Entscheidung des Parlaments. | Bildquelle: AFP

Schwangerschaftsabbruch in Argentinien "Sind wir Menschen mit Rechten?"

Stand: 09.08.2018 11:22 Uhr

In Argentinien ist eine Initiative zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen knapp gescheitert. Die Debatte spaltete das Land - auch die katholische Kirche mischte sich ein.

Von Anne Herrberg, ARD-Studio Buenos Aires

Sie haben bei Regen, Wind und Kälte vor dem Kongress ausgeharrt und die Hoffnung bis zuletzt nicht aufgegeben. Zehntausende Frauen und auch Männer, ein riesiges Meer aus grünen Kopftüchern, dem Symbol für die Legalisierung von Abtreibungen. Nach mehr als 17 Stunden Senatsdebatte fühlen sie sich bitter enttäuscht.

"Ich bin traurig und kann einfach nicht verstehen, dass die da drinnen anscheinend nicht merken, dass die Zeit reif ist", sagt eine Demonstrantin über die Entscheidung des Parlaments, Abtreibungen auch weiterhin nicht zu legalisieren. Dass die Leute das Gesetz wollen, das sei so deutlich geworden, bemerkt sie.

Auf der anderen Seite des Kongresses zünden Abtreibungsgegner ein Feuerwerk. "Ja zum Leben", kommentiert ein Mann das Abstimmungsergebnis. "Gott hat uns den Weg gezeigt, er ist der Schöpfer." Die Liebe sei der Weg, nicht der Hass und der Egoismus.

Demonstranten schreien vor dem argentinischen Parlament. | Bildquelle: dpa
galerie

Abtreibungsgegner schwenkten blaue Tücher vor dem Parlament.

Katholische Messe während der Debatte

Ihre Mahnwache mit blauen Tüchern ist weit kleiner ausgefallen, doch dafür können sie auf die Unterstützung der Kirche zählen. Erzbischof Mario Aurelio Poli von Buenos Aires hielt während der Parlamentsdebatte eine katholische Messe in der Kathedrale. Er mahnte die Senatoren explizit, das ungeborene Leben zu schützen und nicht den Tod zu legalisieren.

Die konservativen und streng katholischen Provinzen im Norden Argentiniens gaben letztlich den Ausschlag bei der Ablehnung des Gesetzes. Es hätte Schwangerschaftsabbrüche innerhalb einer Frist von 14 Wochen ermöglicht, kostenfrei und im öffentlichen Gesundheitssystem - bisher sind sie nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Argentinien: Demonstrationen für und gegen das Abtreibungsgesetz
tagesschau 16:00 Uhr, 09.08.2018, Matthias Ebert, ARD Rio de Janeiro

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Der Senator der bevölkerungsreichsten Provinz Buenos Aires, Esteban Bullrich, begründete sein Nein zum Gesetz damit, dass Abtreibungen ein Scheitern der Gesellschaft seien. Mutterschaft dürfe kein Problem sein, ohne Mutterschaft gebe es keine Zukunft.

"Was sind wir denn? Sind wir Frauen nichts weiter als unsere Bäuche, oder sind wir Menschen mit Rechten?", fragte hingegen Senatorin Beatriz Mirkin ihre Amtskollegen.

Proteste für die Möglichkeit der Abtreibung in Argentinien (Foto: Anne Herrberg)
galerie

Die Rebellion der grünen Kopftücher - Befürworterinnen der Abtreibungsreform demonstrierten während der Debatte vor dem Kongress.

50.000 Komplikationen bei illegalen Abtreibungen jährlich

Eine halbe Million Frauen treiben in Argentinien jedes Jahr illegal ab, schätzen Nichtregierungsorganisationen, laut Gesundheitsministerium kommt es in etwa 50.000 Fällen zu Komplikationen, und immer wieder sterben Frauen. Erst am Wochenende erlag eine 22-Jährige einer inneren Entzündung.

Senatorin Norma Durango, aus der Provinz La Pampa, hielt während der Debatte ein Foto von ihr hoch. "Seien wir doch bitte nicht scheinheilig", rief sie. "Abtreibungen werden gemacht! Wer das Geld hat, zahlt die teuren Preise. Wer es nicht hat, zahlt manchmal mit dem Leben. Ohne Gesetz fördern wir weiter Abtreibungen im Verborgenen und damit auch den Schwarzmarkt."

Auch, wenn das Gesetz diesmal abgelehnt wurde - Argentiniens Frauen haben es geschafft, ein Tabu zu brechen. Erstmals wurde in der Heimat des Papstes über Schwangerschaftsabbrüche diskutiert. Im nächsten Jahr schon werden sie dem Parlament ein neues Projekt vorlegen.

Argentinien: Senat stimmt gegen Legalisierung von Abtreibung
Anne Herrberg, BR München
09.08.2018 09:35 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. August 2018 um 12:00 Uhr.

Darstellung: