Rettungsschiff "Aquarius" | Bildquelle: AFP

Hafen für "Aquarius" Rom schiebt London Verantwortung zu

Stand: 13.08.2018 12:11 Uhr

Das Schiff "Aquarius" sucht einen Hafen im Mittelmeer. Italien weigert sich - und fordert nun Großbritannien auf, die Flüchtlinge aufzunehmen, weil das Schiff unter der Flagge Gibraltars fährt.

Die italienische Regierung sieht Großbritannien in der Pflicht, die Migranten an Bord des Rettungsschiffes "Aquarius" aufzunehmen. Transportminister Danilo Toninelli forderte das Vereinigte Königreich über Twitter auf, "seine Verantwortung für den Schutz der Schiffbrüchigen" zu übernehmen, schließlich fahre das Schiff unter der Flagge Gibraltars. Das britische Überseegebiet Gibraltar liegt an der spanischen Südküste.

Insgesamt 141 Migranten an Bord

Die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée hatten am Freitag insgesamt 141 Migranten von Booten vor der libyschen Küste gerettet. Unter ihnen sind auch Dutzende unbegleitete Minderjährige.

Fast drei Viertel der Menschen stammten laut SOS Mediterranée aus Somalia und Eritrea. Viele hätten berichtet, sie seien in Libyen unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten worden. Sie warten auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Das Schiff befindet sich derzeit westlich von Malta.

Harte Hand in der Migrationsfrage

Seit dem Antritt der populistischen Regierung zeigt Italien harte Hand in der Migrationsfrage. Im Juni verwehrte sie der "Aquarius" erstmals die Einfahrt in einen Hafen. Auch andere Schiffe, die Menschen aus Seenot gerettet hatten, konnten über Tage hinweg nicht anlegen, weil ihnen nicht sofort ein sicherer Hafen zugewiesen wurde.

Libyen ist für Migranten aus Afrika, die vor Armut und Gewalt flüchten, eine wichtige Station auf dem Weg nach Europa. Menschenschmuggler nutzen das Chaos in Libyen, das seit dem Sturz des langjährigen Herrschers Muammar al-Gaddafi 2011 herrscht. Die libyschen Behörden bemühen sich mit europäischer Unterstützung, die Zahl der Flüchtlinge nach Europa zu begrenzen.

Über dieses Thema berichtete am 13. August 2018 NDR Info um 11:45 Uhr und Deutschlandfunk um 12:00 Uhr.

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