Unterstützer von Ebru Timtik demonstrieren, nachdem ihr Tod bekannt wurde. | Bildquelle: TOLGA BOZOGLU/EPA-EFE/Shuttersto

Istanbul Türkische Anwältin stirbt nach Hungerstreik

Stand: 28.08.2020 16:17 Uhr

Nach 238 Tagen Hungerstreik ist die türkische Anwältin Timtik in Haft gestorben. 2019 hatte sie ein Istanbuler Gericht zu 13 Jahren Haft verurteilt. Sie wollte ein faires Verfahren erzwingen. Der Zustand eines Kollegen ist kritisch.

Die wegen Terrorvorwürfen verurteilte türkische Anwältin Ebru Timtik ist nach 238 Tagen im Hungerstreik in Istanbul gestorben. Das teilte ihre Anwaltskanzlei auf Twitter mit. Ein Istanbuler Gericht hatte die 42-Jährige 2019 zu mehr als 13 Jahren Haft verurteilt. Im Februar war sie in den Hungerstreik getreten, um ein faires Verfahren zu erzwingen.

Freunde von Timtik sagten, die Anwältin habe vor ihrem Tod nur noch 30 Kilogramm gewogen, zuletzt nichts außer Zuckerwasser, Kräutertee und Vitamine zu sich genommen. Ihre Anwaltskanzlei schrieb auf Twitter: Timtik sei am Donnerstag in einem Krankenhaus eines "Märtyrertodes" gestorben.

EU-Kommission verlangt Schutz der Grundrechte

Die EU-Kommission reagierte bestürzt und verlangte von der Türkei dringend Fortschritte bei Rechtsstaatlichkeit und Schutz von Grundrechten.

Mit Timik war auch ihr Kollege Aytac Ünsal verurteilt worden. Auch er ist in den Hungerstreik getreten und wird derzeit in einem Krankenhaus behandelt. Beiden waren Verbindungen zur linksextremen DHKP-C zur Last gelegt worden, die in der Türkei als Terrororganisation gilt.

18 Anwälte zu langen Haftstrafen verurteilt

Noch vor wenigen Tagen hatten mehrere Zusammenschlüsse von Juristen die Freilassung der beiden Menschenrechtsanwälte gefordert. Beide befänden sich in kritischem Zustand, hieß es.

Timtik gehörte nach Angaben von Unterstützern zu insgesamt 18 Anwälten in der Türkei, die wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Alle seien in Vereinigungen engagiert, die häufig Oppositionelle verträten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. August 2020 um 16:00 Uhr.

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