Die Nominierungsrede der US-Senatorin Kamala Harris  | AFP

Parteitag der Demokraten Kamala Harris schreibt Geschichte

Stand: 20.08.2020 09:26 Uhr

Als erste schwarze Frau ist Senatorin Harris nun offiziell zur Vize-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten gekürt worden. Ihre Attacken gegen die Trump-Regierung fielen aber eher moderat aus - die harsche Kritik übernahm ein anderer.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Die Parteitagsregie hat sorgsam darauf geachtet, der Senatorin aus Kalifornien das Image der kühlen Karrierefrau zu nehmen. Eingeführt wurde Kamala Harris von ihrer Nichte, ihrer Stieftochter und ihrer jüngeren Schwester.

Sie selber sprach dann lange und sehr liebevoll von ihrer Mutter, die sie im Oktober 1964 in Oakland zur Welt gebracht hatte: Ihre verstorbene Mutter hätte es sich wohl nie träumen lassen, dass ihre Tochter einmal die Nominierung zur Vize-Präsidentschaftskandidatin annehmen würde, sagte sie.

Harris gelang es in ihrer Parteitagsrede ohne Publikum, sich als Person bekannter zu machen und gleichzeitig zu verdeutlichen, wofür sie als schwarze Amerikanerin thematisch steht bei dieser Wahl.

Corona und Rassismus Thema

Während Biden als menschlich anständigere Alternative zu Trump präsentiert wird, setzte Harris die Agenda: Geschickt verknüpfte sie die Themen Corona und Rassismus. "Schwarze, Latinos und Indigene leiden und sterben überproportional, was am strukturellen Rassismus in den USA liegt", so Harris. Es gäbe keinen Impfschutz gegen Rassismus. Damit ist eines der progressiven Themen gesetzt, die sie in den Wahlkampf hineinträgt.

Ihre Attacken gegen die Trump-Regierung fielen eher moderat aus - in wohl gewolltem Kontrast zu Ex-US-Präsident Barack Obama.

Heftige Kritik von Obama

Trumps Amtsvorgänger ging seinen Nachfolger auf überraschend scharfe Weise an: Zum Wohle des Landes habe er gehofft, dass Trump doch noch Interesse entwickeln könnte, das Präsidentenamt ernst zu nehmen. "Aber das hat er nie getan", so Obama.

Trump sei deshalb nicht in den Job hineingewachsen, weil er dazu nicht in der Lage sei.

Mit dieser vernichtenden Kritik nahm Obama eine aktuelle Debatte in den USA auf, nach der Trump aufgrund einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung amtsunfähig sei.

Seine eigene Nichte Mary Trump, eine Psychologin, hatte diese harsche Diagnose in einem aufsehenerregenden Enthüllungsbuch gestellt. Jetzt ist sie im Wahlkampf angekommen.

Dessen heiße Phase ist nun, da die Herausforderer von Trump und Pence nominiert sind, offiziell eingeleitet. "Ich danke Ihnen, Gott schütze sie, Gott schütze Amerika", so Harris zum Abschluss ihrer Rede.

Über dieses Thema berichteten am 20. August 2020 Inforadio um 08:05 Uhr und MDR aktuell um 09:10 Uhr.