Ein Mann mit einer Kippa steht vor einer Menschengruppe. | dpa

EU-Kommission Neues Handbuch soll Antisemitismus aufzeigen

Stand: 08.01.2021 14:15 Uhr

Vom Vorwurf der Weltverschwörung bis zur Holocaust-Leugnung: Judenhass ist noch immer alltäglich. Um die vielen Dimensionen des Antisemitismus besser erkennen zu können, hat die EU-Kommission jetzt ein Handbuch veröffentlicht.

Die Europäische Kommission und die Internationale Allianz zum Holocaust-Gedenken (IHRA) haben ein Handbuch zur Definition von Antisemitismus veröffentlicht. Anhand von Praxisbeispielen aus der EU und Großbritannien soll das Buch dabei helfen, alle Dimensionen der IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus anschaulich zu machen.

Die Beispiele für Judenfeindlichkeit stammen aus den Bereichen Strafverfolgung, Justiz, Bildung, staatliche Förderung, Sport und Zivilgesellschaft. Erstellt wurde das Handbuch im Auftrag der EU-Kommission vom Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS).

Von Anne Frank-Stickern bis Karikaturen

Die IHRA, der mehr als 30 Staaten angehören, definiert Antisemitismus als eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass ausdrücken kann. Dazu zählt etwa die Vorstellung einer "jüdischen Weltverschwörung" oder, dass Juden als Kollektiv angeblich Medien, Wirtschaft und Politik kontrollierten. Andere Beispiele sind die Leugnung des Holocaust, die Unterstellung, Juden stünden loyaler zu Israel als zu ihrem Heimatstaat, und das Zuschreiben kollektiver Verantwortung von Juden für die Politik Israels.

Das neue Handbuch verweist auf ganz konkrete Fälle von Antisemitismus. Darunter sind italienische Fußballfans, die Sticker mit dem Bild der ermordeten Jüdin Anne Frank und judenfeindlichen Slogans verteilen, ein estnischer Politiker, der die Holocaust-Leugnung entkriminalisieren will, oder eine Karikatur aus Berlin, die Israels Politik mit dem Schriftzug "Judentum ist Rassismus" kritisiert.

Antisemitismus als Gefahr für die Demokratie

Die Beispiele aus dem Handbuch verdeutlichten, dass Antisemitismus das alltägliche Leben von Juden in Europa präge und in allen politischen Spektren vorkomme, teilte RIAS mit. Die IHRA-Definition helfe dabei, antisemitische Erscheinungsformen in unterschiedlichsten Kontexten zu erkennen: im öffentlichen Leben, in sozialen Medien, Schulen, am Arbeitsplatz, in den Medien und im religiösen Bereich.

Die EU-Antisemitismus-Beauftragte Katharina von Schnurbein sagte, die rechtlich nicht bindende Definition biete eine gute Grundlage, um gängige zeitgenössische Formen des Antisemitismus zu erkennen. "Antisemitismus ist eine Gefahr für die jüdische Bevölkerung und unsere demokratische Grundordnung." Das Handbuch werde staatlichen Organen und zivilgesellschaftlichen Organisationen auf ganz praktische Weise etwa bei Prävention, Opferschutz und Datenerhebung helfen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Januar 2021 um 19:35 Uhr.

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KOMMENTARE

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Blitzgescheit 08.01.2021 • 18:51 Uhr

qAm 08. Januar 2021 um 18:33 von fathaland slim

Zitat: "Es gibt kein Merkeldeutschland." Mist. Jetzt haben sie mich aber ertappt. Zitat: "Staatsvolk der Bundesrepublik Deutschland sind alle, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Die ist weder an Ethnie noch an Religion gebunden." Richtig. Warum wollen dann Linke jedem, der illegal hier eingereist ist staatsbürgerliche Recht zubilligen (ohne natürlich auch noch die entsprechenden Pflichten einzufordern)? Aber ich nehme einmal wohlwollen Ihren Erkenntnisfortschritt zur Kenntnis. Weiter so!