Anti-Trump-Protest in Washington | Bildquelle: AP

Anti-Trump-Proteste Aufmarsch der Frauen

Stand: 21.01.2017 20:03 Uhr

In den USA haben Hunderttausende Menschen unter dem Motto "Women's March" gegen den neuen Präsidenten Trump demonstriert. Allein an der Kundgebung in Washington nahmen offenbar mehr Menschen teil, als an der Vereidigung Trumps am Vortag. Auch in Europa wurde demonstriert.

Einen Tag nach der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten nehmen die Proteste gegen Donald Trump eine neue Dimension an. In der amerikanischen Hauptstadt Washington sind Hunderttausende Menschen unter dem Motto "Women's March" auf der Straße.

Der Andrang bei der Großdemonstration gegen den neuen US-Präsidenten ist dabei offenbar größer als bei dessen Amtseinführung am Vortag. Am Vormittag (Ortszeit) hätten bereits 275.000 Menschen die Washingtoner U-Bahnen und Busse genutzt, teilte das Verkehrsunternehmen WMATA mit. Das seien knapp 50 Prozent mehr als am Freitag, als Trump in der US-Hauptstadt feierlich in sein Amt eingeführt worden war.

Zu viele Menschen, um zu marschieren

Die hohe Beteiligung an dem Marsch zwang die Organisatoren am zur Planänderung. Die gesamte geplante Route durch die US-Hauptstadt war von Hunderttausenden Demonstranten gesäumt, weshalb ein förmlicher Marsch in Richtung des Weißen Hauses nicht mehr möglich war, wie aus der Verwaltung des Hauptstadtbezirks verlautete. Es werde trotzdem erwartet, dass sich die Menge auf die Ellipse, einem Parkgebiet auf der National Mall vor dem Weißen Haus, zubewege, hieß es.

Die unterlegene Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton lobte den Marsch für Frauen durch Washington. Sie danke den Teilnehmern dafür, dass sie "für unsere Werte" einstünden, das Wort ergriffen und marschierten, schrieb die Demokratin auf Twitter. Angelehnt an ihren Wahlkampfslogan "Stronger Together" fügte sie hinzu: "Ich glaube wirklich, dass wir gemeinsam immer stärker sind."

Die Kundgebung gilt als Höhepunkt einer weltweiten Protestaktion von Frauen, gegen Frauenfeindlichkeit, Gewalt, Rassismus, Homophobie und religiöse Intoleranz. Trump hatte sich während des Wahlkampfes wiederholt abfällig über Frauen geäußert. Auch in New York gingen die Menschen auf die Straße: Laut Polizei waren es rund 100.000.

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Mehr als 670 Kundgebungen

Zum Auftakt waren bereits in Australien und Neuseeland Tausende Demonstranten auf die Straße gegangen. Geplant sind insgesamt mehr als 670 solcher "Frauen-Märsche".

So sind in London Tausende auf die Straße gegangen. "London solidarisiert sich heute mit der Welt, um zu zeigen, wie sehr wir die Rechte würdigen, die jede Frau haben sollte", sagte Bürgermeister Sadiq Khan, der die Demonstranten besuchte. Die Organisatoren des Marsches erklärten, jetzt sei der Moment gekommen, um Geschichte im Kampf für Gleichberechtigung zu schreiben. "Steht auf. Sprecht lauter. Zeigt Gesicht", forderten sie die Teilnehmer auf.

Demonstration gegen Trump | Bildquelle: AP
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Anti-Trump-Proteste - auch in Berlin.

Aktionen in Frankfurt und Berlin

In deutschen Städten demonstrierten Tausende gegen den neuen US-Präsidenten Trump. Den größten Protestzug gab es in Frankfurt am Main, wo mehr als 2000 Menschen durch die Innenstadt zogen. In Berlin versammelten sich einige Hundert Frauen und Männer vor der US-Botschaft. Der Ableger der Demokratischen Partei für im Ausland lebende US-Amerikaner (Democrats Abroad) hatte die Demonstration angemeldet, wie die Polizei mitteilte. Die Demonstrantinnen riefen "No justice, no peace" oder "I'm a feminist". Auf Plakaten standen Sprüche wie "Trump ist kein Berliner".

In München zogen rund 600 Menschen vom US-Generalkonsulat bis in die Innenstadt. In Heidelberg protestierten rund 500 Menschen für gesellschaftliche Vielfalt. Nach Angaben der Polizei verliefen alle Protestzüge friedlich.

Schlechte Umfragewerte

Trump hatte sein Amt am Freitag angetreten - begleitet von Protesten. Die USA sind nach dem erbittert geführten Wahlkampf zwischen dem Republikaner Trump und seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton tief gespalten. Die Demonstration in Washington ist unter anderem ungewöhnlich, weil die Zeit direkt nach der Amtseinführung als Phase gilt, in der dem neuen Präsidenten eher Wohlwollen entgegengebracht wird. In den vergangenen Jahrzehnten hatte kein US-Präsident bei einem Amtsantritt so schlechte Umfragewerte wie Trump.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Januar 2017 um 20:00 Uhr.

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