Moderator Marc Abrahams mit dem Ig-Nobelpreis der Harvard-Universität | Bildquelle: REUTERS

Ig-Nobelpreise von Harvard Magnetische Kakerlaken und gefährliche Scheine

Stand: 13.09.2019 14:14 Uhr

Ist man fröhlicher mit Stift im Mund? Wie nutzen nackte Postboten der Wissenschaft? Solche und andere kuriose Studien sind an der US-Eliteuniversität Harvard mit den Ig-Nobelpreisen ausgezeichnet worden.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Der deutsche Sozialpsychologe Fritz Strack hatte 1988 mit Kollegen an der Universität Mannheim etwas untersucht: Wer einen Stift nur mit dem Mund festhält, lächelt und fühlt sich dadurch fröhlicher.

Allerdings kam Strack 28 Jahre später bei einem zweiten Versuch nicht zum gleichen Ergebnis. "Jahre später gab es keinen Grund mehr zu jubeln", erklärt er. Der Versuch, den Test zu replizieren, schlug fehl. Ein klassisches wissenschaftliches Dilemma, für das Strack in diesem Jahr in Harvard mit dem Ig-Nobelpreis im Bereich Psychologie ausgezeichnet worden ist.

Zu lange unter dem Laborabzug gestanden?

Die jährliche Preisverleihung ist ein rechtes Spektakel und eine gutmütige Parodie der Vergabe der Nobelpreise. Das englische Wort "ignoble" bedeutet soviel wie unwürdig. Geehrt werden in Harvard also nicht die besten, sondern die zehn ungewöhnlichsten oder auch trivialsten Errungenschaften der Wissenschaft.

Zu Beginn der Preisverleihung kommt der menschliche Fehler auf die Bühne. Ein Mann mit Sichtschutz und Zielscheibe vor dem Bauch. Er wird vom Publikum mit Papierfliegern beschossen.

Ist das der Humor von Menschen, die zu lange unter dem Laborabzug standen? Vielleicht. Aber vor allem eine eingeschworene Gemeinde, die wissenschaftliche Zufälle und Unsinn feiert.

Das Gesundheitsrisiko in der Geldbörse

So werden Timothy Voss und sein Vater Andreas geehrt. Sie haben herausgefunden, welche Banknoten am leichtesten gefährliche Bakterien übertragen. Rumänische Lei und US-Dollar sind besonders anfällig.

"Wir haben einen Vorschlag, wie Sie das Gesundheitsrisiko in Ihrer Geldbörse minimieren", sagt Tomothy Voss. "Falten Sie Flugzeuge aus Ihren Dollarnoten, und werfen Sie sie in unsere Richtung."

Überschreitet eine Dankesrede die Zeit, kommt ein Kind auf die Bühne und schreit: "Bitte hör auf, mir ist langweilig."

Moderator Marc Abrahams mit dem Ig-Nobelpreis der Harvard-Universität | Bildquelle: dpa
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Moderator Marc Abrahams mit dem Ig-Nobelpreis der Harvard-Universität. Eine eingeschworene Gemeinde, die wissenschaftliche Zufälle und Unsinn feiert.

Kakerlaken an der Kühlschranktür

Der Preis in Anatomie würdigt dieses Jahr den Nachweis, dass die Temperatur menschlicher Hoden unterschiedlich ist. Und zwar anhand von Messungen an nackten und bekleideten, französischen Postboten.

Und die Auszeichnung in Biologie erhält ein Team um Ling-Jun Kong aus China. Die Wissenschaftler haben auf der Erkenntnis aufgebaut, dass Kakerlaken Magnetfelder aufspüren und selbst magnetisch werden können. Dass tote magnetisierte Kakerlaken ihren Magnetismus anders zeigen als lebende magnetisierte Kakerlaken, zeigte der Film der Wissenschaftler. Tote Kakerlaken bleiben einfach länger an der Kühlschranktür haften.

Händedruck vom echten Nobelpreisträger

Zum Abschluss des Spektakels erhalten alle Preisträger einen Händedruck des Physikers und Nobelpreisträgers Jerome Friedman.

Der einzige Träger des Ig-Nobelpreises, der auch einen echten Nobelpreis verliehen bekommen hat, ist Sir Andre Geim. Er war im Jahr 2000 in Harvard ausgezeichnet worden, weil er einen Frosch mit Hilfe von Magneten schweben ließ. Zehn Jahre später wurde er in Schweden für seine Forschung über die Anordnung von Kohlenstoff-Molekülen geehrt. Vermutlich ohne einen Lacher.

Ig-Nobel-Preis Harvard
Torsten Teichmann, ARD Washington
13.09.2019 13:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 13. September 2019 um 07:08 Uhr.

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