Forscher warnen vor Gletscherschwund Eisschmelze nicht mehr aufzuhalten?

Stand: 13.05.2014 12:17 Uhr

Die Eisschmelze in der Antarktis schreitet nach Erkenntnissen von US-Forschern immer schneller voran. Zwei neue Analysen kommen zu dem Ergebnis, dass der Zusammenbruch des Eisschildes im westlichen Teil wahrscheinlich bereits nicht mehr aufzuhalten sei, selbst wenn der Klimawandel gestoppt würde.

Der für die Westantarktis entscheidende Thwaites-Gletscher könnte schon in 200 Jahren verschwunden sein, schreibt das Forscherteam der Universität Washington um Ian Joughin in der Fachzeitschrift "Science". Bei einer Verlangsamung der Eisschmelze könne er maximal noch 1000 Jahre bestehen.

Der Gletscher, der in die Amundsen-See mündet, dient als Stütze der benachbarten Eismassen. Kollabiert er, könnten weitere Gletscher rasch folgen.

Der Thwaites-Gletscher
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Der Thwaites-Gletscher wird nach Ansicht der Forscher in maximal 1000 Jahren nicht mehr vorhanden sein.

Meeresspiegel würde bis zu vier Meter steigen

Die schnelle Schmelze des Thwaites-Gletschers ergibt sich aus Computersimulationen, die ebenfalls in "Science" vorgestellt wurden. Der globale Meeresspiegel steige in der Folge um etwa 60 Zentimeter, heißt es in dem Artikel. Ein komplettes Abschmelzen des westantarktischen Eisschilds als Folge des Klimawandels würde demnach zu einem Anstieg um drei bis vier Meter führen. Die Forscher hatten Radaraufnahmen und Satellitenmessungen genutzt, um zu simulieren, wie sich der Gletscher durch unterschiedlich starkes Abschmelzen in Zukunft entwickeln wird.

Daten aus vier Jahrzehnten wiesen darauf hin, dass die sechs in die Amundsen-See mündenden Gletscher den Punkt schon passiert haben, von dem an es kein Zurück mehr gibt, schreibt auch ein Team um Eric Rignot von der Universität von Kalifornien in Irvine in den "Geophysical Research Letters". "Ein großer Teil der Eiskappe in der Westantarktis ist in einem Stadium des unumkehrbaren Rückzugs", heißt es darin.

Allein das schmelzende Eis dieser Gletscher könne die Meeresspiegel um etwa 1,2 Meter steigen lassen. In den bisherigen Berechnungen des Weltklimarates zum Anstieg der Meeresspiegel sei das Phänomen nicht ausreichend berücksichtigt, warnt er.

Regenbogen in der Antarktis, fotografiert vom südkoreanischen Eisbrecher Aaron aus
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Der Meeresspiegel könnte durch das schmelzende Eis um bis zu vier Meter steigen.

Eisschmelze auch in der Ostantarktis

Anfang des Monats hatten deutsche Forscher bereits vor einer großen Eisschmelze in der Ostantarktis gewarnt. Durch das Verschwinden eines "Eispfropfens" in Folge der Klimaerwärmung könnte sich eine riesige Eismasse im Wilkes-Land südlich von Australien in den Ozean ergießen und den Meeresspiegel dramatisch steigen lassen, schrieben die Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in einem in der Zeitschrift "Nature Climate Change" veröffentlichten Aufsatz.

"Bislang galt nur die Westantarktis als instabil, aber jetzt wissen wir, dass ihr zehnmal größeres Gegenstück im Osten möglicherweise auch in Gefahr ist", erklärte der an der Studie beteiligte Forscher Anders Levermann: "Selbst wenn der Klimawandel danach gestoppt werden könnte, würde das gesamte Eisfeld nach und nach ins Meer fließen und schmelzen."

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