Bombenanschlag in Mogadischu | Bildquelle: REUTERS

Anschlag in Mogadischu Ein Bekenntnis und eine Entschuldigung

Stand: 30.12.2019 22:18 Uhr

Die islamistische Shabaab-Miliz hat den verheerenden Anschlag in Somalias Hauptstadt für sich reklamiert - und sich zugleich für die zivilen Opfer entschuldigt. Bei dem Attentat waren mindestens 83 Menschen getötet worden.

Die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab hat sich als Urheber des verheerenden Anschlags mit mehr als 80 Toten in Mogadischu zu erkennen gegeben. Über ihr Sprachrohr Radio Andalus erklärte ihr Sprecher, Ali Mohamud Rage, Ziel des Anschlags am Wochenende seien die beiden getöteten türkischen Ingenieure und ihre Leibwächter gewesen.

"Es tut uns wirklich leid"

Er sprach den Angehörigen der bei dem Sprengstoffanschlag ums Leben gekommenen Zivilisten sein Beileid aus. "Es tut uns wirklich leid um die Verluste, die wir unserer muslimischen somalischen Gesellschaft zugefügt haben", sagte der Sprecher. "Wir sprechen den Muslimen, die ihr Leben verloren haben, verletzt wurden oder deren Eigentum zerstört wurde, unser Mitgefühl aus", fügte er hinzu. Der Anschlag sei jedoch notwendig gewesen im Kampf gegen den Staat und dessen ausländische Unterstützer.

Krankenwagen in Mogadischu | Bildquelle: REUTERS
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Unter den Toten sind viele Studierende und auch Kinder.

Die Behörden des ostafrikanischen Landes gehen in einer vorläufigen Bilanz von mindestens 83 Toten und 20 Vermissten aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Zahl der Toten entsprechend erhöht, gilt als hoch: Nach Angaben von Rettungskräften wurden viele Opfer von der Explosion regelrecht zerrissen. Eine Identifizierung der Leichenteile gilt als schwierig. In den Krankenhäusern der Stadt wurden 148 Verletzte aufgenommen. Bei einigen gelten die Überlebenschancen als fraglich.

Vergeltungsangriffe der USA

Als Vergeltung für den Anschlag flogen US-Drohnen Luftangriffe auf Kämpfer der Al-Shabaab. Die US-Kommandozentrale für Einsätze in Afrika (Africom) betonte, die Angriffe seien mit der Regierung des ostafrikanischen Landes abgestimmt. Insgesamt wurden demnach bei drei Luftangriffen vier Terroristen getötet. Darunter war somalischen Geheimdienstkreisen zufolge ein ranghoher Kommandeur der Miliz.

Internationales Entsetzen

Weltweit war die Sprengstoffattacke scharf verurteilt worden. UN-Generalsekretär António Guterres forderte dazu auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. "Unsere Haltung ist klar", betonte EU-Ratspräsident Charles Michel auf Twitter, "Europa wird Afrika im Kampf gegen den Terrorismus weiter unterstützen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich in einem Beileidstelegramm an den somalischen Regierungschef Hassan Ali Khaire erschüttert über den Anschlag. "Im Namen der Bundesregierung spreche ich Ihnen, den Angehörigen der Opfer sowie dem somalischen Volk unser tief empfundenes Mitgefühl aus", schrieb Merkel. Deutschland werde im Kampf gegen den internationalen Terrorismus auch weiterhin engagiert bleiben, versprach die Kanzlerin.

Die Shabaab-Miliz ist mit Al-Kaida verbündet. Sie kämpft in dem Land am Horn von Afrika seit Jahren um die Vorherrschaft. Die sunnitischen Fundamentalisten beherrschen Gebiete im Süden und Zentrum Somalias. Im August 2011 waren sie von Truppen der Afrikanischen Union aus Mogadischu vertrieben worden. Die Terroristen kontrollieren aber nach wie vor ländliche Gebiete des Landes und verüben immer wieder Anschläge in der Hauptstadt. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Dezember 2019 um 06:00 Uhr.

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