Der Tatort in einem Kairoer Vorort | Bildquelle: dpa

Anschlag auf Kopten "Gott sei Dank war das Tor geschlossen"

Stand: 29.12.2017 18:21 Uhr

Nach dem tödlichen Angriff auf eine Kirche bei Kairo gehen die Behörden nur noch von einem Täter aus - er sei verletzt und festgenommen worden. Offenbar plante er einen noch größeren Anschlag: Er trug eine Bombe bei sich, die er wohl in der Kirche zünden wollte.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Im ägyptischen Fernsehen sind Fotos zu sehen, die angeblich den Angreifer zeigen. Der bärtige Mann liegt blutig vor der Kirche auf der Straße. Er trägt etwas, das aussieht wie eine Bombenweste. In den Fernsehberichten heißt es, dass Spezialkräfte angeblich einen Sprengsatz entschärfen konnten, den er dabei hatte.

Das Innenministerium teilte inzwischen mit, dass es sich nur um einen Angreifer gehandelt habe. Der sei auch nicht getötet worden, sondern nur verletzt. Zuvor hatten die Medien unter Berufung auf die Behörden und auf Augenzeugen berichtet, dass der Angriff auf die Kirche von zwei Tätern verübt wurde. Es hatte auch geheißen, der Angreifer sei erschossen worden.

Passanten vor der Mar-Mina-Kirche, dem Anschlagsort in Kairo | Bildquelle: REUTERS
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Passanten vor der Mar-Mina-Kirche, dem Anschlagsort in Kairo. Durch Angriffe auf Kirchen wurden zuletzt Dutzende Christen in Ägypten getötet.

"Gott hat uns gerettet"

Der oder die Täter waren kurz vor Mittag auf einem Motorrad vor das Haupttor der Kirche Mar Mina gefahren. Die Kirche befindet sich in Helwan südlich der Hauptstadt Kairo und wurde zum Zeitpunkt des Angriffs von Sicherheitskräften bewacht. Bei dem anschließenden Schusswechsel kamen nach Angaben von Behörden ein Polizist sowie etliche koptische Kirchenbesucher ums Leben.

Der koptische Bischof Andraos befand sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Kirche, in der sich viele Gläubige befunden haben sollen. "Gott hat uns gerettet", sagt er. "Gott sei Dank war das Tor zu Kirche geschlossen. Sonst hätte es genau so viele Tote gegeben wie bei dem Angriff auf die Moschee." Erst im November hatten Extremisten bei einem Angriff auf eine Moschee im Norden des Sinai mehr als 300 Menschen erschossen.

Sieben Tote bei Anschlag auf christliche Kirche nahe Kairo
tagesschau 20:00 Uhr, 29.12.2017, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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Der Festgenommene war polizeibekannt

Kurz vor dem Anschlag auf die Kirche in Helwan sollen in einem Geschäft im selben Ort zwei Christen erschossen worden sein. Bischof Andraos glaubt, dass es zwei Täter waren, die die Kirche angriffen, und dass dieselben Männer kurz zuvor auch das Geschäft überfielen. Sie seien auf ihrem Motorrad zuerst zu dem Laden gefahren, in dem Haushaltsgeräte verkauft werden. Dort hätten sie die beiden koptischen Besitzer getötet. Im Anschluss daran seien sie zur Kirche gefahren und hätten dort auf Polizisten geschossen und auf Gläubige, die das Gotteshaus verließen.

Das Innenministerium teilte mit, dass der Angreifer, der verletzt festgenommen wurde, ein Sturmgewehr, 150 Schuss Munition und eine Bombe bei sich getragen habe. Die Bombe wollte er vermutlich in der Kirche zünden. Der Festgenommene war polizeibekannt. Er wurde wegen eines tödlichen Überfalls auf Polizisten gesucht, an dem er sich im Mai 2016 beteiligt haben soll. Wenige Stunden nach dem Angriff reklamierte die Terrormiliz IS die Tat für sich.

Die Christen des Landes gehören zumeist der orthodoxen koptischen Kirche an. In diesem Jahr wurden Christen und ihre Einrichtungen mehrfach zum Ziel von Anschlägen. Im April kamen bei zwei Selbstmordattentaten auf Kirchen in den Städten Alexandria und Tanta 45 Menschen ums Leben.

Tote bei Angriff auf Kirche bei Kairo
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
29.12.2017 17:43 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 29. Dezember 2017 Deutschlandfunk um 12:00 Uhr sowie NDR Info um 12:15 Uhr jeweils in den Nachrichten und die tagesschau um 14:50 Uhr.

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Jürgen Stryjak, SWR

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