Helfer versorgen ein Opfer in Kabul | EPA

Afghanistan Mindestens 30 Tote bei Anschlag in Kabul

Stand: 08.05.2021 22:20 Uhr

Bei einer Explosion nahe einer Schule im Westen der afghanischen Hauptstadt hat es zahlreiche Tote gegeben, darunter viele Schülerinnen. In dem mehrheitlich von Schiiten bewohnten Viertel hatte der IS in der Vergangenheit mehrere Anschläge verübt.

In der Nähe einer Schule in Kabul ist eine Bombe explodiert. Dabei kamen nach Angaben des afghanischen Innenministeriums mindestens 30 Menschen ums Leben, mehr als 50 weitere wurde verletzt.

Unter den Opfern sind laut Augenzeugen zahlreiche Schülerinnen zwischen elf und 15 Jahren, weil am Nachmittag vor allem Mädchen die Schule Sjed Al-Schahda im überwiegend schiitischen Stadtviertel Dascht-i-Barchi besuchen.

Augenzeugen berichteten zunächst von Raketeneinschlägen. In anderen Berichten war von einer Autobombe die Rede. Der Bereich sei abgesperrt worden, hieß es vom Innenministerium ohne weitere Details.

In der Vergangenheit reklamierte die Terrorgruppe "Islamischer Staat" Anschläge auf die Minderheit der Schiiten im selben Gebiet im Westen der afghanischen Hauptstadt für sich. Zu dem Anschlag bekannte sich bisher noch niemand.

Taliban verurteilen Anschlag

Die Taliban haben die Attacke verurteilt und sich von der Tat distanziert. Der afghanische Präsident Ashraf Ghani aber macht sie für die aktuelle Gewalt im Land verantwortlich: "Die Taliban intensivieren die Gewalt und beweisen damit, dass sie kein Interesse an einem Frieden im Land haben", sagt er im TV-Sender Tolo News.

USA fordern Ende der Gewalt

Das US-Außenministerium forderte ein sofortiges Ende der Gewalt. Die Vereinigten Staaten verurteilten den "barbarischen Angriff" hieß es in einer Mitteilung. "Wir fordern ein sofortiges Ende der Gewalt und der sinnlosen Angriffe auf unschuldige Zivilisten." Washington betonte, man werde das afghanische Volk weiterhin unterstützen und mit ihm zusammenarbeiten, damit die Errungenschaften der letzten zwei Jahrzehnte nicht zunichte gemacht werden.

Seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan dauert die Gewalt in dem Krisenland an. Beobachter befürchten eine weitere Verschlechterung der Sicherheitslage.

Die rund 10.000 verbliebenen Soldaten der USA und anderer NATO-Länder sollen bis spätestens 11. September das Land verlassen. Die Friedensgespräche zwischen den Taliban und der Regierung in Kabul treten auf der Stelle.

Mit Informationen von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Mai 2021 um 17:00 Uhr.