Ein Verletzter Mann wird in Kabul in ein Krankenhaus gebracht | Bildquelle: REUTERS

Afghanistan Deutschland verurteilt Anschlag in Kabul

Stand: 21.11.2018 11:23 Uhr

Mindestens 55 Menschen sind bei dem Anschlag gestern in Kabul ums Leben gekommen. Die Bundesregierung verurteilt das als "menschenverachtenden Terror". Sie steht allerdings selbst in der Kritik, weil sie nach Afghanistan abschieben lässt.

Die Bundesregierung hat den verheerenden Anschlag mit Dutzenden Toten in Kabul verurteilt und sich mit der afghanischen Staatsführung solidarisiert. Das Auswärtige Amt zeigte sich in einem Tweet tief erschüttert vom "menschenverachtenden Terror" in der Hauptstadt Afghanistans und bekräftigte zugleich, den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani im Friedensprozess weiter unterstützen zu wollen.

Einer der schwersten Anschläge des Jahres

Ein Selbstmordattentäter hatte sich gestern während einer religiösen Zeremonie anlässlich des Feiertags zum Geburtstag des Propheten Mohammed in die Luft gesprengt, mindestens 55 Menschen starben. Es war einer der schwersten Anschläge des Jahres in Afghanistan.

Der Fernsehsender ToloTV zitierte Augenzeugen, denen zufolge sich zum Zeitpunkt der Explosion mindestens 1000 Menschen in der Hochzeitshalle befanden, in der die religiöse Zeremonie stattfand. An der Straße zum Flughafen reihen sich mehrere Hochzeitshallen aneinander, die abends alle festlich beleuchtet sind.

Wer den Anschlag verübte, ist noch unklar. In den vergangenen Monaten hatte sich vor allem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu Anschlägen auf Hochzeitshallen, Moscheen und religiöse Treffen bekannt. Die radikalislamischen Taliban verurteilten den Anschlag. Seit mehreren Monaten distanzieren sie sich von Anschlägen auf Zivilisten. Es gibt Spekulationen, dass sie von Selbstmordattentaten in großen Städten absehen, während sie Gespräche mit den USA über mögliche Friedensverhandlungen ausloten.

Bereits mehr als 400 Männer abgeschoben

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist schlecht, immer wieder gibt es Anschläge. Trotzdem lässt Deutschland seit Dezember 2016 immer wieder abgelehnte Asylbewerber dorthin abschieben - insgesamt waren es bislang schon mehr als 400 Männer. Die Bundesregierung argumentiert, es gebe auch innerhalb Afghanistans sichere Gebiete. Menschenrechtsorganisationen kritisieren dies scharf.

Die Grünen fordern schon länger einen Abschiebestopp. "Für Zivilisten ist Afghanistan ein gefährlicher Ort und auch in Kabul gibt es keine Sicherheit", sagte ihr außenpolitischer Sprecher Omid Nouripour Anfang des Monats.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 20. November 2018 um 22:15 Uhr. Zudem berichtete über dieses Thema Deutschlandfunk am 21. November 2018 um 05:00 Uhr in den Nachrichten.

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